Fritz Vahrenholt: Die selbstverschuldete Gasmangellage | Nr. 9639
Shownotes
In einem Gastkommentar spricht der ehemalige Hamburger Umweltsenator Prof. Fritz Vahrenholt unter anderem über die immer schwieriger werdende Gasversorgung Deutschlands, drohende Versorgungslücken zwischen Gasmangellage und Lieferstopp sowie unantastbare Verbote.
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00:00:00: Willkommen zum EpochThumbsPodcast mit dem Thema Fritz Fahrenholt, die selbstverschuldete Gasmangellage.
00:00:07: Ein Meinungsartikel von Prof.
00:00:08: Dr.
00:00:08: Fritz-Fahrenholz vom fünften Juli twenty-sechsundzwanzig am Mikrofon Alexander Sieber.
00:00:14: In einem Gastkommentar spricht der ehemalige Hamburger Umweltsenator Professor Fritz Farrenhold unter anderem über die immer schwieriger werdende Gasversorgung Deutschlands drohende Versorgungslücken zwischen Gasmangellage und Lieferstopp sowie unantastbare Verbote.
00:00:29: Die Temperaturen im Juni, die übersteigen das langfristige Mittel um plus Komma zero vier sechs Grad Celsius.
00:00:37: Die Abweichung der globalen Mitteltemperatur vom dreißigjährigen Mittel der Satellitenmessungen ist damit im Vergleich zu Mai gesunken plus null Komma fünf drei Grad Celsius liegt aber höher als im April Plus Null Komma Drei Neun Grad Celsius.
00:00:51: Die US-amerikanische Ozeanbehörde NOAA hat die für den Pazifik erwarteten El Nino Konditionen inzwischen bestätigt und rechnet damit, dass diese bis zum Frühjahr nächsten Jahres andauern.
00:01:02: El Ninho ist eine natürliche zyklische Erwärmung des tropischen Pazifiks, die sich alle drei bis fünf Jahre ereignet und in der Regel mit einem globalen Temperaturausschlag von Davon scheinbar unberührt, beträgt der durchschnittliche Temperaturanstieg seit neunundhundertsiebzig weiterhin nullkommaeins sechs Grad Celsius pro Jahrzehnt.
00:01:24: Die Befüllung der deutschen Garspeicher bis zur Heizsaison wird schwierig.
00:01:27: Der Füllstand der deutschen Gasspeicher beträgte zurzeit lediglich viervierzig Prozent – das liegt deutlich unter dem langjährigen Durchschnitt, denn die Füllstände lagen früher zu diesem Zeitpunkt bei sechzig Prozent.
00:01:38: Die Befüllung im Jahr twenty-sechsten-zwanzig startete zum einen von einem sehr niedrigen Niveau, von rund zwanzig Prozent.
00:01:44: Zum anderen zögern die Gaspeicherbetreiber Gas einzukaufen da die Gaspreise seit der Hormuskrise hoch sind.
00:01:51: Das Geschäftsmodell der Betreiber bestand darin, preiswertes Gas im Sommer einzukaufen und zu einem in der Regel höheren Preis im Winter zu verkaufen.
00:01:59: Jetzt droht sogar das Gegenteil!
00:02:01: Sollte es zu einer Entspannung am persischen Golf kommen werden die Gaspreise im Winter niedriger als im Sommer liegen so dass den Betreibern Verluste drohen.
00:02:09: Der Verband der Speicherbetreiber Ines gab daher im Juli bekannt, dass bis zur Heizsaison technisch nur noch ein Niveau von siebzig Prozent erreicht werden kann.
00:02:18: Die Betreiber stellen fest – Zitat «die derzeitigen Preisentwicklungen setzen kaum Anreize zur Einspeicherung von Gas und gefährden damit die Versorgungssicherheit für den kommenden Winter».
00:02:33: Bei einem kalten Winter prognostizierter Verband schon heute eine Gasmangelage von bis zu zwei Terawattstunden pro Tag im Februar, März, twenty-sevenzig.
00:02:41: Es fehlten dann bis zu vierzig Prozent des in Deutschland täglich benötigten Erdgases.
00:02:46: In diesem Fall droht die Abschaltung des Gases für die Industrie, die etwa zwei Terawattsstunden Gas pro Tag verbraucht.
00:02:52: Der Innesgeschäftsführer Heinermann sieht bei einem außergewöhnlich kalten Winter die Risiken erheblich
00:02:57: steigen.".
00:02:58: Deshalb müssen bereits heute die Voraussetzungen geschaffen werden, um die Speicher stärker zu befüllen.
00:03:04: Die tägliche Einspeisung in die Speiche beläuft sich zurzeit auf Null-Kommer zwei Prozentpunkte – bei diesem Tempo wurde bis zum ersten November noch etwas über hundert Tage nicht einmal der gesetzlich vorgeschriebene Füllstand von siebzig Prozent erreicht.
00:03:17: Die Bundesnetzagentur erklärt dennoch, dass die Versorgungssicherheit sei gewährleistet.
00:03:22: Deutschland bezieht immer noch relevante Mengen Gas aus Russland.
00:03:25: Über die viel gepriesenen deutschen LNG-Terminals bezieht Deutschland etwa zehn bis dreizehn Prozent seines Erdgases, etwa vierzig Prozent kommen aus Norwegen, weitere vierzig prozent kommen aus den Niederlanden und Belgien.
00:03:37: Dort wird es als LNG angelandet und durch Pipelines nach Deutschland transportiert.
00:03:42: Es wird jedoch kaum diskutiert, dass Belgien über Zebrücke vierzehntel seines LNG-Imports aus Russland bezieht.
00:03:48: Ebenso die Niederlande mit dreizehn Prozent seines Imports.
00:03:52: Insofern erhalten wir indirekt immer noch erhebliche Mengen.
00:03:55: Rechnerische geben sich rund zehn Prozent unseres Gases aus Russlands.
00:04:00: Frankreich importiert seinerseits ein Drittel des LNGs aus Russ land.
00:04:03: Dieser Import soll nach den Plänen der EU ab ersten Januar zwanzig siebenundzwanzig beendet werden.
00:04:08: Das wird sich dann tendenziell in höheren Preisen niedelschlagen.
00:04:16: Das Bundeswirtschaftsministerium plant eine strategische Erdgasreserve, um auf Gasversorgungskrisen besser vorbereitet zu sein.
00:04:23: Die Gasreserve soll über einen Aufschlag auf die Gaspreise für den Verbraucher finanziert werden sollen.
00:04:39: Das entsprechende Gesetz soll zum ersten Jahr nur in Kraft treten.
00:04:43: Die Maßnahme ist nicht von der Hand zu weisen, allerdings darf man nicht vergessen dass die Energiepolitik der letzten vier Bundesregierungen die Krisenanfälligkeit der Gasversorgung massiv erhöht hat Denn aufgrund des Ausstiegs aus der Kernenergie und des notwendigen Backups für Wind- und Solarenergie werden in den nächsten Jahren zahlreiche Gaskraftwerke zu bauen sein.
00:05:03: Die Bundesnetzagentur hat erklärt, dass die Versorgungssicherheit in Deutschland nur gewährleistet werden kann.
00:05:08: Zitat Wenn bis zu zwanzig-fünfunddreißig zusätzliche steuerbare Kapazitäten von zweiundzwanzigtausendvierneitmegaWatt bis fünfund dreißigtaussendfünfhundert MegaWatt errichtet werden.
00:05:19: Fünfund Dreißig Tausend Fünfhundred MegaWatts Gaskraftwerke verbrauchen etwa fünfzehn Milliarden Kubikmeter zusätzliches Gas.
00:05:25: Zum Vergleich Der Jahresverbrauch Deutschlands lag zwanzichfünfundzwanziger bei fünfundachtzig Milliarden Kubikkmetern Gas.
00:05:32: Aber Fracking bleibt verboten.
00:05:34: Erschwerend kommt hinzu, dass die früheren Regierungsparteien es für richtig hielten, die Erdgasförderung durch Fracking in Deutschland zu verbieten – Ministerin Reiche kann sich eine Lockerung des Fracking-Verbots vorstellen.
00:05:46: Der Kanzler geht jedoch auf Distanz.
00:05:47: Auch sein Finanzminister hat sich wie die SPD insgesamt gegen Fracking ausgesprochen.
00:05:52: Der Wahlkreis von Lars Klingbeil liegt in einem Gebiet vielversprechender schiefer Gasvorkommen.
00:05:59: Nun bekommt die Ministerin starke Unterstützung durch einen von der Friedrich-Nau-Mann Stiftung in Auftrag gegebenes Gutachten des ehemaligen Präsidenten der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe, Professor Hans Joachim Kümpel.
00:06:11: Er kommt zu dem Ergebnis dass die Technik der Förderung des Schiefergases aus mehr als ein tausend Meter Tiefe eine Gefährdung des Grundwassers bis zur Hundertmeter Tiefe ausschließt das Erdbebenrisiko beim Fracking um ein vielfaches niedriger ist als bei der herkömmlichen Erdgasförderung.
00:06:27: Deutschland eine förderbare Gesamtmenge von tausend Milliarden Kubikmetern aufweist, was eine Förderdauer von fünfzig Jahren bei einer jährlichen Fördermenge von zwanzig Milliarden Kubiktmetern entspricht deutlich kostengünstiger wäre als der heutige Weltmarktpreis.
00:06:42: Das Gutachten kann man im Artikel kostenlos herunterladen.
00:06:45: Verschärft ein Erdgaslieferstopp wegen der EU-Metanverordnung die Gasmangellage?
00:06:50: Die EU hat eine Verordnung erlassen, wonach ab ersten Januar twenty-sevenzig der Methan Ausstoß bei der Förderung, der Verarbeitung und dem Transport von Rohöl und Erdgas aus Klimaschutzgründen zu reduzieren ist.
00:07:02: Und das soll nicht nur in Europa gelten sondern für Importeure die nachweisen sollen dass in den außereuropäischen Förderländern diese neuen erheblich strengeren EU-Standards erfüllt
00:07:12: sind.".
00:07:13: Während Importeure wie Seefe, Uniper und Schell davon warnen das Zitat ein erheblicher Teil der weltweiten Gasversorgung de facto nicht konform sein wird.
00:07:23: Und es zu erhebrichen Lieferengpässen kommen könnte will die EU ihre Verordnung mit horrenden Strafzahlungen von bis zu zwanzig Prozent des Jahresumsatzes
00:07:31: durchsetzen.".
00:07:32: Am vierundzwanzigsten Juni haben die USA, Qatar, Nigeria und Algerien in einem gemeinsamen Brief an die EU-Kommission Änderungen der Importregeln verlangt.
00:07:42: Andernfalls werden Europa massive Versorgungsrisiken mitten im Januar zwanzig siebenundzwantig eingehen.
00:07:47: Immerhin sind dreiundvierzig Prozent des Erdgasverbrauchs in Europa betroffen.
00:07:52: Der US-Energieminister Chris Wright nannte die Regeln crazy – verrückt!
00:07:57: Die USA seien bereit, Europa zu versorgen aber nicht zu diesen Bedingungen….
00:08:01: Ministerin Reicher hat sich richtigerweise bei der EU für ein Aussetzen der Verordnung ausgesprochen.
00:08:06: Ihr SPD-Kollege, Umweltminister Schneider, hat sich im Namen der Bundesregierung für die Beibehaltung der EU-Verordnung aus gesprochen und hat seine Ministerkollegin für ihre Initiative öffentlich gerügt.
00:08:17: Wenn wir im Januar twenty-seven Versorgungsprobleme bekommen werden, wissen wir, bei wem wir uns zu bedanken haben!
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