Meinung: Die Geschwister Vertrauen und Lüge | Nr. 9324

Shownotes

Man kann das „Kurswechsel“ nennen. Man kann es „Realpolitik“ nennen. Man kann auch „neue geopolitische Lage“ darüberstreuen wie Puderzucker über altes Gebäck. Aber das Wahlvolk hat ein feines Gehör für den Moment, in dem aus politischer Beweglichkeit moralische Buchführung wird.

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00:00:00: Willkommen zum Epoch Times Podcast mit dem Thema Die Geschwister Vertrauen und Lüge.

00:00:07: Ein Meinungsartikel von Markus Langemann vom sechzehnten Mai.

00:00:09: zwanzig sechsundzwanzig am Mikrofon Alexander Sieber.

00:00:14: Man kann das Kurswechsel nennen, man kann es Realpolitik nennen.

00:00:19: Man kann auch neue geopolitische Lage darüber streuen wie Puderzucker über altes Gebäck.

00:00:26: Aber das Wahlvolk hat ein feines Gehör für den Moment, in dem aus politischer Beweglichkeit moralische Buchführung wird.

00:00:34: Vertrauen und Lüge sind Geschwister – nicht Zwillinge!

00:00:38: Nein, Zwillingen teilen sich ein Gesicht… diese beiden nicht.

00:00:42: Vertrauen kommt meist in schlichten Kleidern ohne Begleitmusik, ohne Pressestatement, ohne Hintergrundpapier aus dem Kanzlamt.

00:00:51: Vertrau'n verlangt wenig aber es merkt sich alles.

00:00:55: Lüger hingegen tritt gern gut frisiert auf.

00:00:58: Sie trägt Maßanzug, spricht von Verantwortung, Zeitenwende, Sonderlage alternativloser Entscheidung und höhere Einsicht.

00:01:08: Sie ist nie Lüge aus eigenem Mund!

00:01:11: Sie ist immer nur neue Lage notwendige Neubewertung komplexe Wirklichkeit.

00:01:18: Und so steht sie da diese deutsche Gegenwart.

00:01:21: Ein Land das nicht mehr recht weiß, ob es regiert oder verwaltet wird.

00:01:26: Ob es noch überzeugt oder nur noch beschwichtigt wird.

00:01:30: Ein Land in dem die großen Worte inzwischen kleiner wirken als die kleinen Rechnungen.

00:01:35: Strom, Miete, Pflege, Rente, Migration, Bildung, innere Sicherheit, Infrastruktur – überall liegt etwas offen herum wie Werkzeug auf einer Baustelle, auf der seit Jahren niemand mehr den Bauplan findet!

00:01:50: Vertrauen entsteht nicht doch Regierungserklärungen.

00:01:53: Vertrauen entsteht durch Deckungsgleichheit zwischen Wort und Tat, zwischen Wahlkampf und Regierung, zwischen Versprechen und Rechnung.

00:02:04: Wenn diese Deckungs-Gleichheit fehlt entsteht Nicht automatisch Opposition.

00:02:09: Zunächst entsteht etwas Gefährlicheres Innere Kündigung.

00:02:15: Friedrich Merz ist dafür inzwischen eine Symbolfigur geworden.

00:02:18: Nicht weil er als Einzelner alle Ursachen der deutschen Malleese verkörpert.

00:02:22: Das wäre zu billig.

00:02:24: Aber er steht exemplarisch für eine politische Klasse, die glaubt ein gebrochenes Versprechen könne durch semantische Nachbearbeitung entschärft werden.

00:02:34: Vor der Bundestagswahl wurden neue Schulden ausgeschlossen.

00:02:37: Danach stimmte März einer Lockerung der Schuldenbremse und neun Milliarden Krediten zu.

00:02:42: Infratest Dieemab fragte im April zwanzig fünfundzwanzig ob die Begründung dieses Kurswechsels glaubwürdig sei.

00:02:53: Vertrauen stirbt sachlich, ohne Pathos.

00:02:57: Man kann das Kurswechsel nennen – man kann es Realpolitik nennen!

00:03:01: Man kann auch neue geopolitische Lage darüber streuen wie Puderzucker über altes Gebäck.

00:03:08: Aber das Wahlvolk hat ein feines Gehör für den Moment in dem aus politischer Beweglichkeit moralische Buchführung wird.

00:03:17: Der Deutsche Bundestag beschloss im März, die Reform der Schuldenbremse Der Passus zum Sondervermögen wurde um zusätzliche Investitionen in Infrastruktur und Klimaneutralität erweitert.

00:03:30: Das ist der formale Vorgang, der politische Vorgangen heißt ein zentrales Erwartungsversprechen wurde nach der Wahl in sein Gegenteil verkehrt.

00:03:40: Und vertrauen dieses empfindliche Geschwisterkind zieht sich bei solchen Vorgängen nicht beleidigt zurück.

00:03:46: Es stirbt sachlich ohne Pathos es verlässt den Raum.

00:03:52: Die aktuellen Umfragen liefern das Protokoll dieser Abreise.

00:03:56: Laut VORSA, RTL und NTV waren Anfang Mai, nur noch dreizehn Prozent mit der Arbeit des Bundeskanzlers zufrieden.

00:04:05: Fünfundachtzig Prozent unzufrieden!

00:04:08: Die Bundesregierung insgesamt kam nur noch auf elf Prozent Zufriedenheit.

00:04:13: Das ZDF ordnete März nach einem Jahr im Amt im Vergleich mit Merkel und Scholz als mit deutlichem Abstand am schlechtesten bewertet ein.

00:04:22: Seiner Werte liegen in aktuellen Erhebungen historisch niedrig und im Vergleich des ersten Amtsjahres mit Merkel und Scholz schneidet er deutlich am schlechtesten ab.

00:04:32: Das genügt eigentlich, denn der Skandal liegt nicht in der Demoskopie!

00:04:36: Der Skandal liegt darin dass die Demos Kopie nur sichtbar macht was viel längst intuitiv wissen... ...der politische Kredit ist aufgebraucht.

00:04:47: Die Lüge is dabei nicht immer die plumpe Falschbehauptung sie ist heute raffinierter.

00:04:52: Sie kommt als Verpackung, als Framing, als Einordnung, als strategisch gesetzter Halbsatz.

00:05:00: Als Sprechzettel der nicht mehr informiert sondern nebelorganisiert.

00:05:06: Die moderne Lüge sagt selten zwei plus zwei ist fünf.

00:05:10: sie sagt die arithmetische Lage hat sich verändert Der Informationsraum als Kampfzone.

00:05:18: und genau hier beginnt das Fake News Zeitalter seine eigentliche Arbeit.

00:05:23: Fake News sind nicht nur die schmutzigen Flugblätter der digitalen Gosse.

00:05:27: Fake News ist auch die logische Folge einer Kultur, in der die Institutionen selbst zu oft den Eindruck erwecken, Wahrheit sei ein Rohstoff, den man je nach Bedarf veredeln, strecken oder umetikettieren könne.

00:05:41: Wer von oben herab ständig Desinformation ruft aber im eigenen Haus die Wahrheit nach Opportunität sortiert produziert keinen Schutzraum gegen Lüge – er produziert Wettbewerb!

00:05:53: Die OECD nennt Vertrauen in Medien eine zentrale Voraussetzung, funktionierender demokratischer Gesellschaften und beschreibt soziale Medien zugleich als immer wichtigere Nachrichtenquelle.

00:06:04: Das World Economic Forum führt Fehl- und Desinformation im Global Risks Report, auf Platz zwei der kurzfristigen globalen Risiken.

00:06:14: Man kann über solche Institutionen denken was man will – Der Befund bleibt!

00:06:19: Der Informationsraum ist nicht mehr nur Marktplatz, er ist Kampfzone.

00:06:24: Doch der Staat hat in dieser Kampfzone ein Glaubwürdigkeitsproblem.

00:06:28: Er möchte Schiedsrichter sein – wirkt aber selbst wie eine Mannschaft im Trikot!

00:06:32: Er möchte Vertrauen verwalten, hat aber Vertrauen verbraucht... ...Er möchte Falschnachrichten bekämpfen….

00:06:39: …hat aber zu oft den Eindruck erzeugt das Wahrheit nicht gesucht sondern zugeteilt wird.

00:06:45: In diese Lage tritt nun die künstliche Intelligenz nicht als Zukunftsmusik, nicht als Jahrmarkt der Nerds sondern als neue Produktionsmaschine für Wirklichkeit.

00:06:56: Sie schreibt, spricht übersetzt simuliert montiert imitiert.

00:07:02: sie kann Gesichter bewegen Stimmen nachbauen Akten zusammenfassen Nachrichten erzeugen Bilder aus dem Nichts produzieren und Roboter in Prozesse einspeisen, die gestern noch menschliche Erfahrung vorbehalten waren.

00:07:17: Die EU versucht dieses Feld über den AI-Akt zu regulieren – der Ansatz ist risikobasiert.

00:07:23: Bestimmte manipulative oder gefährliche Anwendungen werden verboten.

00:07:27: Hochrisikosysteme sollen Anforderungen an Dokumentationen, Aufsicht, Robustheit und Transparenz erfüllen.

00:07:35: KI generierte Inhalte Deepfakes sowie bestimmte Texte von öffentlichem Interesse müssen künftig kenntlich gemacht werden.

00:07:42: Aber es löst das Grundproblem nicht, denn Kennzeichnung ersetzt kein Urteilsvermögen und Regulierung ersetzt keine Glaubwürdigkeit.

00:07:50: Roboter werden nicht nur in Fabriken stehen – sie werden in Pflege Logistik Sicherheit Medizin Landwirtschaft Handel Verwaltung Medien hinein wachsen.

00:08:00: MacKinsey beziffert er im Mai, dass theoretische Automatisierungspotenzial in Deutschland auf neunundfünfzig Prozent der heutigen Arbeitsstunden.

00:08:10: Zugleich wird betont, das dies technische Machbarkeit und keine Prognose für Jobverluste ist.

00:08:15: Das ist ein entscheidender Unterschied aber politisch wird dieser Unterschied nur dann tragen wenn Menschen dem Transformationsmanagement noch trauen – genau daran fehlt es!

00:08:25: KI & Robotik als moralische Prüfung.

00:08:29: Denn wer soll dem Bürger erklären, dass KI und Robotik nicht sein Feind sind?

00:08:34: Eine Politik die nicht einmal erklären kann warum aus keinen neuen Schulden binnen Wochen ein historisches Schuldenpaket wurde.

00:08:43: Wer soll glaubwürdig versichern, dass digitale Systeme den Menschen dienen werden wenn viele den Eindruck haben das analoge Institutionen ihnen schon nicht mehr dienen?

00:08:53: Wer Vertrauen in die Maschine schaffen will muss zuerst vertrauen in den Menschen zurück gewinnen der sie einsetzt.

00:08:59: Die kommende Robotik wird Deutschland nicht nur technisch prüfen, sie wird moralisch prügen.

00:09:04: Ein Land das die Wahrheit politisch verwundet hat, wird mit künstlicher Wahrheit schwer umgehen können!

00:09:10: Ein Land dass seine Bürger pädagogisiert statt sie ernst zu nehmen, wird an KI nicht wachsen sondern an ihr verzerren – denn KI verstärkt was vorhanden ist.

00:09:20: Sie ist kein Reinigungsmittel für Institutionen, sie ist ein Verstärker.

00:09:25: Wo Orteilskraft ist, verstärkt sie Orteilskraft.

00:09:28: Wo Bürokratie ist, verstärkt die Bürokratei.

00:09:30: Wo Lüge ist, industrialisiert sie LüGE.

00:09:34: Das ist der gefährliche Punkt.

00:09:36: Früher musste die Lügee arbeiten.

00:09:38: Sie brauchte Druckereien, Sendemasten Redaktionen Apparate und Parteitage.

00:09:44: Heute braucht sie Rechenleistung Prompt und Reichweite.

00:09:48: Früher kamen sie mit Marschmusik heute kommt sie mit perfekter Tonspur synthetischer Stimme Emotionaler Zielgruppenoptimierung und AB-Test.

00:09:58: Sie lernt, welche Angst klickt Welche Empörung teilt?

00:10:02: Welche Kränkung bindet?

00:10:04: Und Vertrauen?

00:10:06: Vertrauen ist analog geblieben.

00:10:08: Es wächst langsam.

00:10:09: Es braucht Wiederholung Verlässlichkeit Verantwortung.

00:10:14: Es liebt keine Kampagnen Es hasst Tricks Es verzeiht Fehler eher als Täuschung.

00:10:19: Der Bürger nimmt einem Politiker einen Irrtum Eher ab als Kulissenschieberei.

00:10:24: Er kann mit einem ehrlichen, ich habe mich geirrt leben.

00:10:27: Schwerer lebt er mit dem Satz Sie müssen verstehen dass das was gestern galt heute aus Verantwortung nicht mehr gelten

00:10:34: kann.".

00:10:35: So redet den Macht wenn sie ihr eigenes Wort nicht mehr tragen will.

00:10:41: Deutschland hat zu wenig Wahrheit und Redlichkeit.

00:10:44: Vielleicht liegt Darin der eigentliche deutsche Zustand.

00:10:47: Nicht die Wut ist das Zentrum sondern die Erschöpfung.

00:10:51: Nicht der Streit ist das Problem Sondern die Unfähigkeit ihn wahrhaftig zu führen.

00:10:57: Nicht Fake News allein zerstören das Gemeinwesen, sondern das Vorfeld in dem Menschen bereits so misstrauisch geworden sind dass sie jede Lüge eine Heimat findet.

00:11:06: Vertrauen und Lüger bleiben Geschwister.

00:11:09: Sie kennen einander.

00:11:10: Sie sitzen am selben Tisch.

00:11:12: Die Lügel ist lauter Schneller, eleganter oft erfolgreicher.

00:11:17: Vertrauen ist schwerfälliger.

00:11:18: Es braucht Jahre um es aufzubauen Und kann in einem Satz beschädigt werden.

00:11:23: Aber es hat einen Vorteil.

00:11:24: Ohne Vertrauen kann Macht regieren, aber nicht führen.

00:11:28: Sie kann Gesetze beschließen, aber keine Loyalität erzeugen.

00:11:31: Sie können Schulden aufnehmen, aber keinen Kredit im eigentlichen Sinn mehr bekommen.

00:11:36: Und vielleicht ist dies die härteste Pointe unserer Gegenwart?

00:11:40: Die Bundesrepublik hat nicht zu wenig Kommunikation.

00:11:43: Sie hat so wenig Wahrheit.

00:11:44: Sie haben nicht zu wenige Formate.

00:11:47: Sie sind zu wenig Charakter.

00:11:49: Sie hatten nicht zu weniger KI-Stradien.

00:11:52: Sie hätten nur zu wenig menschliche Erredlichkeit.

00:11:55: Die Lüge kann Wahlen überleben, Vertrauen überlebt sie nicht immer.

00:11:59: Und wenn Vertrauen einmal gegangen ist kommt es nichts zurück weil ein Kanzleramt es in Auftrag gibt.

00:12:06: Es kommt nur zurück wenn Worte wieder etwas kosten.

00:12:10: Genau das wäre der Anfang Nicht mehr aber auch nicht weniger.

00:12:15: Wäre es an der Zeit dass Herr Merz die Vertrauensfrage stellt?

00:12:18: Was denken Sie?

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