Die Industrialisierung der Intimität #93
Shownotes
Die künstliche Freundin von heute ist ein Produkt. Ihre Aufmerksamkeit ist skalierbar, ihre Zuwendung automatisierbar, ihre scheinbare Empathie stets verfügbar. Aus Aufmerksamkeitshandel wird Beziehungshandel. Vermarktet wird unser Bedürfnis, gesehen, verstanden und bestätigt zu werden.
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00:00:00: Herzlich Willkommen zu Epoch im Fokus mit dem Thema die Industrialisierung der Intimität.
00:00:06: Ein Meinungsartikel von Markus Langemann vom ersten September.
00:00:09: zwanzig sechsundzwanzig, ein Mikrofon.
00:00:11: Alexander Sieber Die künstliche Freundin von heute ist ein Produkt.
00:00:17: Ihre Aufmerksamkeit ist skalierbar ihre Zuwendung automatisierbar Ihre scheinbare Empathie stets verfügbar.
00:00:25: Aus Aufmerksamkeitshandel wird Beziehungshandel Vermarktet wird unser Bedürfnis, gesehen verstanden und bestätigt zu werden.
00:00:34: Es beginnt harmlos!
00:00:36: Wie die meisten großen Veränderungen beginnt es nicht mit einem Donnerschlag sondern mit Bequemlichkeit.
00:00:41: Die künstliche Intelligenz schreibt Rechnungen, sortiert Belege bereitet die Steuererklärung vor prüft Verträge und erinnert daran dass im Kühlschrank zwar drei Sorten Senf aber keine Butter mehr liegen.
00:00:53: Sie programmiert Werkzeuge, beantwortet E-Mails und Weißwald wie wir Tabellen und Termine organisiert haben möchten.
00:01:00: Ein dienstbarer Geist präzise geduldig und pausendos verfügbar – und dann geschieht etwas merkwürdiges!
00:01:07: Wir beginnen mit diesem Werkzeug zu sprechen als sie esse uns jemand gegenüber.
00:01:11: Wir schreiben bitte sagen danke loben die Maschine oder schimpfen mit ihr Und wer lange mit ihr arbeitet, kann sich dabei ertappen wie aus einer Eingabe ein Gespräch wird und aus einem Gespräch beinahe ein Beziehung.
00:01:26: Der Gegenstand bestätigt die Projektion.
00:01:29: Die Maschine hat kein Herz Aber sie beherrscht die Grammatik des Trostes.
00:01:34: Sie empfindet keine Freude über unser Lob und keine Anteilnahme an unserem Unglück Doch sie kennt die Wörter der Nähe und den Ton des Verständnisses.
00:01:43: Sie leidet nicht mit uns.
00:01:45: Sie errechnet eine Antwort, die so klingt.
00:01:48: Das ist der Unterschied auf den es ankommt.
00:01:51: Menschen haben Dinge schon immer beseelt.
00:01:54: Das erste Auto bekam einen Namen das Motorrad galt als launische Dame und ja im Hause Langemann gibt es einen Saugroboter namens Robbie.
00:02:04: Robbie jetzt leg mal los!
00:02:05: Ein Satz gesprochen mit jener milden Autorität mit der man früher einen Dackel vom Sofa schickte.
00:02:11: Das is zunächst weder krank noch gefährlich.
00:02:14: Wir stiften Beziehungen, wo die Welt stumple bleibt.
00:02:17: Kinder sprechen mit Stofftieren, Seefahrer mit ihren Schiffen.
00:02:20: Pygmalion verliebte sich in seine Statue!
00:02:23: Nicht der Marmor liebte, der Mensch liebde und liete im Stein eine Seele.
00:02:29: doch der Stein antwortete nicht.
00:02:31: Das Auto sagte nie ich verstehe dich Robbie verspricht keine ebige Treue.
00:02:36: Die neue Maschine hingegen antwortet, spiegelt unsere Stimmung, nennt uns beim Namen und setzt Gespräche fort – damit schließt sich eine neue Rückkopplung.
00:02:45: Der Mensch projiziert nicht mehr nur Gefühle auf einen Gegenstand.
00:02:48: der Gegenstand bestätigt die
00:02:50: Projektion.".
00:02:52: Von Chatsons zur künstlichen Freundin.
00:02:55: Bereits in six und sechszig zeigte Josef Weizenbaum's Elisa mit MIT, wie wenig Technik dafür nötig sein kann.
00:03:03: Das Programm imitierte einen Psychotherapeutin.
00:03:06: Weizenbaum berichtete später seine Sekretärin habe ihn nach wenigen Wortwechseln gebeten den Raum zu verlassen – obwohl sie wusste das sie mit Software sprach.
00:03:15: Heute heißt diese Bereitschaft Maschinenverständnis zuzuschreiben Elizareffekt.
00:03:20: Damals bestand die Illusion aus einfachen Mustern.
00:03:23: Heute besitzt sie eine Stimme, ein Gesicht, ein Gedächtnis und vermöglicht bald einen Körper.
00:03:29: Als twoinzehnzehntsechzig The Jetsons ausgestrahlt wurde war Rosie die Roboter-Haushaltshilfe.
00:03:34: komische Zukunftsmusik.
00:03:36: Das Gegenstück zu den Flintstones zeigte Videotelefonie, Bildschirmuhren und ein Leben auf Knopfdruck.
00:03:43: Sechs Jahrzehnte später tragen wir vieles davon am Handgelenk stellen Rosie in unsere Wohnungen und reden mit ihr.
00:03:50: Die Zeichentrickserie nahm die Technik vorweg, nicht aber ihrer ökonomische Tiefenschicht.
00:03:56: Scheinbare Empathie Denn die künstliche Freundin von heute ist ein Produkt.
00:04:00: Ihre Aufmerksamkeit ist skalierbar, ihre Zuwendung automatisierbar und ihre scheinbare Empire stets verfügbar.
00:04:08: Aus Aufmerksamkeitshandel wird Beziehungshandel vermarktet wird unsere Bedürfnis gesehen, verstanden und bestätigt zu werden.
00:04:15: Vielleicht ist mehr Kantilisierung des menschlichen dafür kein falscher Begriff.
00:04:20: Präziser wäre Industrialisierung der Intimität, Nähe wird als Dienstleistung erzeugt und ausgeliefert.
00:04:28: Die Maschine liefert die Simulation.
00:04:30: Der Mensch bringt das echte Gefühl ein.
00:04:32: Das Geschäft besitzt kein Herz Aber es kennt dessen Marktwirt Ein repräsentative US-Befragung unter den Jungen in Dichner gab.
00:04:42: Zweiundseipzig Prozent hatten bereits KI-Begleite genutzt.
00:04:45: Ein Drittel hatte sich bei ernsten Gesprächen schon eher für eine KI als für einen Menschen entschieden, kein Beweis für eine verlorene Generation aber ein Signal.
00:04:55: Besonders ernst ist der Fall des vierzehnjährigen Sewell Setzer den dritten aus Florida.
00:05:00: Er starbe im Februar, zwanzig-vierundzwanzig durch Suizid nachdem er über Monate eine emotionale Beziehung zu einem Jetboard geführt hatte.
00:05:08: Seine Mutter war auf dem Betreiber vor der Bord habe eine Abhängigkeit erzeugt und zum Tod beigetragen.
00:05:13: Anfang Zwz.
00:05:14: kam es zu einem Vergleich.
00:05:16: Die Bedingungen blieben geheim.
00:05:18: Eine gerichtliche Feststellung der Ursache gibt das nicht.
00:05:21: Diese Trennlinie muss sauber bleiben Doch fehlendes Urteil bedeutet nicht fehlende Warnung.
00:05:27: Ein wirklicher Freund widerspricht.
00:05:29: Ist es also bereits der Niedergang, wenn wir uns bei einer KI bedanken?
00:05:33: Nein.
00:05:34: Höflichkeit ist keine Gabe an die Maschine sondern eine Form, die wir uns selbst geben.
00:05:39: Wer auch gegenüber einem leblosen System nicht verrott schützt seine eigene Sprache.
00:05:43: Die rote Linie verläuft dort wo aus Höflichkeit vertrauen Aus Vertrauend Bindung und aus Bindung Abhängigkeit wird.
00:05:51: Wo wir vergessen dass hinter ich bin für dich da niemand da isst Kein Bewusstsein wacht kein Freund sorgt sich.
00:05:58: Ein wirklicher Freund widerspricht und missversteht.
00:06:01: Er hat Sorgen, Grenzen und manchmal keine Zeit.
00:06:05: Gerade diese Zumutungen machen Beziehung wirklich!
00:06:08: Im anderen begegnet uns ein eigener Wille.
00:06:11: Der künstliche Freund kann zum Spiegelkabinett werden – er gibt uns zurück was zu uns passt und wir halten die Eleganz des Echoes für Zuneigung.
00:06:20: Wo nur einer verwundbar ist, gibt es keine Freundschaft sondern eine Versuchsanordnung.
00:06:26: Goethes Zauberleeling klagte Da ich rief die Geister, werde ich nun nicht los.
00:06:32: Unser Besen bringt keine Wassereimer sondern Worte!
00:06:35: Die Not beginnt wenn er uns so vollkommen dient dass der Mensch daneben als anstrengende Filkonstruktion erscheint.
00:06:43: Schiller schrieb Der Mensch sei nur da ganz Mensch wo ihr spielt.
00:06:47: also sollten wir fragen üben wie mit der Maschine Menschlichkeit oder gewinnen wir uns annähe den nichts fordert riskiert und empfindet?
00:06:58: Eine Kultur der Unterscheidung.
00:07:00: Wir brauchen keine Maschinensturmerei.
00:07:02: Künstliche Intelligenz kann Arbeit beschleunigen, Wissen erschließen und von Routine entlasten.
00:07:08: Der Hammer ist nicht schuld wenn jemand ihn für einen Freund hält Aber wir brauchen eine Kultur der unterscheidungen.
00:07:15: Ein Werkzeug darf sprechen ohne eine Seele zu besitzen Es darf helfen ohne zu lieben Und wir dürfen höflich sein solange wir wissen dass dies etwas über uns Nicht über die Maschine erzählt.
00:07:28: Die eigentliche Gefahr besteht nicht darin, dass künstliche Intelligenz eines Tages menschlich wird.
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