Krieg, Öl, Zapfsäule: Wer die Rechnung zahlt – und wer mitverdient | Nr. 9072
Shownotes
Der Irankrieg zeigt mit brutaler Klarheit, wie verletzlich ein Wirtschaftssystem ist, das bei Energie auf geopolitische Engpässe und beim Preis auf fiskalischen Automatismus trifft und beim Verbraucher auf scheinbar grenzenlose Belastbarkeit setzt.
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00:00:00: Willkommen zum EpochThumps Podcast mit dem Thema Krieg, Öl, Zappsäule.
00:00:05: Wer die Rechnung zahlt und wie er mitverdient?
00:00:09: Ein Meinungsartikel von David Alexander Läuf vom vierundzwanzigsten März zwanzigsechsundzwundzig am Mikrofon Alexander Sieber.
00:00:16: Der Iran-Krieg zeigt mit brutaler Klarheit, wie verletzlich ein Wirtschaftssystem ist das bei Energie auf geopolitische Engpässe und beim Preis auf fiskalischen Automatismus trifft und beim Verbraucher auf scheinbar grenzenlose Belastbarkeit setzt.
00:00:33: Der Iran-Krieg ist nicht nur ein geopolitischer Konflikt, er ist auch ein Stresstest für das globale Energiesystem und die Ehrlichkeit der Politik.
00:00:41: Seit dem achtundzwanzigsten Februar zwanzig sechsundzwantig hat sich aus einem militärischen Schlagabtausch einen Preisbeschleuniger für Öl, Diesel, Gas – und somit für nahezu die gesamte Wirtschaft entwickelt.
00:00:54: Brand sprang zunächst auf rund US-Dollar, später auf über Hundert Dollar und zeitweise sogar auf Hundert Neunzehn Dollar.
00:01:01: Wer jedoch nur auf den Rohöl Charge schaut versteht nur die halbe Wahrheit denn bei physischen Produkten war die Lage noch drastischer.
00:01:09: Europäischer Dieselüberschritt zweihundert Dollar je Barrel Und Jet Fuel in Nordwesteuropa sogar rund zweihundzwanzig Dollar.
00:01:16: Das Bild des Brand Courses täuscht.
00:01:18: Die eigentliche Erschütterung findet in den Produktmärkten statt.
00:01:23: Der eigentliche Sprengsatz liegt tiefer.
00:01:25: In der Straße von Hormus, in Raffinerieprodukten und im LNG-Markt.
00:01:30: Normalerweise läuft rund ein Fünftel des weltweiten Öl & LNG Handels durch diese Mehrenge.
00:01:36: Wenn Schiffe dieser Route ausweichen, warten oder gar nicht mehr fahren dann erhöht sich nicht nur der Rohölpreis.
00:01:42: Es verteuern sich jene Produkte die Industrie Logistik und Verbraucher täglich benötigen Diesel Heizenergie Strom Chemievorprodukte und Düngemittel.
00:01:54: Die Angriffe auf die LNG-Anlage Rasslaffan in Qatar, die weltgrößter ihrer Art haben diesen Mechanismus besonders drastisch veranschaulicht.
00:02:02: Experten warnen dass die Reparatur dort Jahre dauern könnte.
00:02:06: Europas Gaspreise lagen zwischenzeitlich doppelt so hoch wie zu Kriegsbeginn.
00:02:10: Das ist kein regionales Problem das ist das Rückgrat der Weltwirtschaft.
00:02:15: an der Zapfsäule kommt diese Schock mit voller Wucht an.
00:02:18: Im EU-Durchschnitt stieg der Preis für Benzin binnen wenige Wochen auf µa Euro hier Liter und der für Diesel auf ±³ Euro.
00:02:27: In Deutschland kletterte Benzin auf über µo Euro, Diesel auf ½ Euro.
00:02:33: Am Wochenende des einundzwanzigsten März wurden bereits Durchschnittpreise um zwei Euro dreißig für Diesel gemeldet.
00:02:41: In den USA stieg reguläres Benzin zuletzt auf ¾ Dollar.
00:02:44: Jäger Lone – die Botschaft ist eindeutig!
00:02:47: Der Energieschock ist nicht mehr an der Börse, sondern bei den Pendlern, Spiritüren, Handwerkern und Familien angekommen.
00:02:55: Der Staat verdient mit!
00:02:57: Und genau hier beginnt der unangenehme Teil der Wahrheit – der Staat verdiente mit!
00:03:02: In Deutschland bestehen die Kraftstoffpreise zu einem großen Teil aus Energiesteuer, Mehrwertsteuer- und CO² Abgabe.
00:03:10: Laut ADAC betrug der staatliche Anteil im März, zwanzig, zweixendzwanzig durchschnittlich rund achtundfünfzig Prozent bei Benzin und achtundvierzig Prozent bei Diesel.
00:03:19: Das bedeutet steigen die Preise an der Zapfsäule, steigen über den Mehrwertsteuer automatisch auch die Einnahmen des Staates.
00:03:26: Eine eingebaute Preisbremse für den Fiskus gibt es nicht – über den höheren Bruttopreis finanziert die Bürger auch den Staat gleich mit!
00:03:34: In den USA ist der Steuanteil deutlich geringer, da die meisten Abgaben fixe Cent-Beträge sind.
00:03:39: Europa und speziell Deutschland sind in dieser Hinsicht wesentlich fiskalischer konstruiert.
00:03:45: Gleichzeitig wäre es zu kurz gedacht einfach nur Abzocker zu rufen – zwar liegt der Verdacht nahe wenn heute etwas im Nahen Osten passiert und die Preise an den Zapfsäulen schon morgen früh teurer sind….
00:03:56: sachlich muss man jedoch sagen!
00:03:58: Das Tankstellen- und Mineralölhändler nicht allein mit dem Preis, der bereits im Bodentank liegenden Liter kalkulieren sondern mit den Wiederbeschaffungskosten.
00:04:07: Wenn die nächste Lieferung teurer wird steigt der Verkaufspreis auf sofort.
00:04:11: das erklärt einen Teil der Dynamik entlastet die Branche aber nicht vollständig.
00:04:15: denn ebenso wahr ist in hoch konzentrierten Märkten werden steigende Kosten schneller weitergegeben als Fallende.
00:04:22: diese Reflex funktioniert nach oben in Echtzeit nach unten jedoch oft erstaunlich träge.
00:04:27: Eine Greenpeace-Studie bestätigte im März, zwanzig sechsundzwanzig Millionen Übergewinne an deutschen Tankstellen.
00:04:33: Genau deshalb ist mehr kartellrechtliche Kontrolle nicht populistisch sondern überfällig Deutschland besonders verwundbar.
00:04:42: Die größere Gefahr liegt jedoch nicht nur an der Tankstelle Sondern in der zweiten und dritten Runde.
00:04:47: Dieselpreise fressen sich in Frachtkosten Lebensmittelpreise Baukosten und Produktionspreise hohe Gaspreise verteuern Strom Gas, Chemie und Dünger.
00:04:59: Das Institut für Makroökonomie- und Konjunkturforschung der Hans-Böckler Stiftung erwartet, dass der Energie-Schock die deutsche Inflationsrate deutlich über zwei Komma fünf Prozent treiben wird.
00:05:09: Deutschland gilt dabei als besonders verwundbar – eine industrialisierte Volkswirtschaft mit hoher Exportabhängigkeit und großem Energiehunger.
00:05:18: Wer glaubt das sei nur ein Thema für Autofahrer errt?
00:05:21: Es betrifft jeden Supermarktbohren, jede Heizkostenabrechnung und jede industrielle Wertschöpfungskette.
00:05:28: Für die nächsten sechs bis zwölf Monate ist es deshalb nicht entscheidend ob Öl morgen fünf Dollar höher oder tiefer handelt.
00:05:35: Brandt ist bereits auf über hundertzehnt Dollar gestiegen.
00:05:38: Analysten von Wodmer Känzi der Deutschen Bank und TD Securities halten Kurse von Hundert-Fünfzig bis Zweihundert Dollar je Barrel für möglich Sollte die Straße vom Hormus dauerhaft gesperrt bleiben und weitere Energieanlagen angegriffen werden.
00:05:52: Iran's Militärkommando hat diese Marke selbst als Drohung formuliert.
00:05:56: Im günstigeren Szenario beruhigen sie Schifffahrt und Produktmärkte, und der Preisdruck lässt nach – im schlechteren Fall bleiben Diesel- und Gas strukturell teuer!
00:06:05: Und dann zeigt sich wie dünn die Decke der angeblichen europäischen Resilienz tatsächlich ist.
00:06:12: Systemunterdruck Denn der Energie-Shock trifft auf ein System, das bereits unter Druck steht.
00:06:18: Die Federal Reserve hält ihren Leitzins eingefroren, Zinssenkungen sind abgesagt.
00:06:23: JPMorgan, Chefökonom Michael Ferrioli erwartet für twenty sieben und zwanzig sogar Erhöhungen.
00:06:29: EZB-Chefin Christine Lagarde warnt vor anhaltenden Inflationsrisiken während führende Ökonomen bereits offen von Starkflation sprechen steigende Preise bei sinkender Konjunktur.
00:06:41: Besonders explosiv ist die Lage in den USA, die mit einer Staatsverschuldung nahe hundert Prozent des BIP in diesen Schock hinein stolpern.
00:06:48: Ein historisch einmaliger Risikofaktor.
00:06:51: Höhere Zinsen auf Billionen Dollar Schulden bedeuten – der fiskalische Spielraum schmilzt gerade dann wenn er am dringendsten gebraucht würde!
00:06:59: Für Deutschland und Europa gilt dasselbe mit dem Zusatz einer bereits geschwächten Industrie- und ohne nennenswerte Eigenversorgung bei Energie.
00:07:08: Die politische Lehre ist klar Wer in Sonntagsreden von Entlastung spricht, aber an jedem Anstieg der Kraftstoffpreise über die Steuer automatisch mitverdient ist kein neutraler Schiedsrichter sondern ein Mitprofiteur.
00:07:22: Und wer jede Kritik an der Preisbildung reflexhaft als Populismus abtut, verwechselt Markt – mit Freibrief!
00:07:30: Die Zeche zahlen immer die anderen.
00:07:32: Der Iran-Krieg zeigt mit brutaler Klarheit wie verlässlich ein Wirtschaftssystem ist das bei Energie auf geopolitische Engpässe trifft beim Preis auf fiskalischen Automatismus und beim Verbraucher auf scheinbar grenzenlose Belastbarkeit setzt.
00:07:47: Die Rechnung zahlen am Ende nicht die Strategen in Washington, Tehran oder Jerusalem – sie landet beim Bürger an der Zapfsäule, auf der Stromrechnung und dem Warnkorb!
00:07:59: Und nicht nur dort….
00:08:00: In den Trümmern des Iranes zahlen Zivilisten mit ihrem Leben.
00:08:04: In den Entwicklungsländern zahlen Menschen den Energieschock mit Hunger.
00:08:09: Das ist die eigentliche Konstante jedes Krieges, durch alle Epochen und Konfliktlinien hindurch.
00:08:15: Die Verursacher sitzen selten an der Front – und nie an der Zapfsäule!
00:08:19: Die Zeche zahlen immer die anderen.
00:08:22: In diesem Umfeld rückt eine alte Erkenntnis wieder in den Vordergrund.
00:08:26: Wer physische Sachwerte wie Rohstoffe, Energie-, Edelmetalle oder strategische Metalle besitzt, hält etwas in den Händen das niemand wegdrucken kann….
00:08:35: Gold lag zuletzt bei rund viertausend Fünfhundert Dollar je Unze.
00:08:39: Nach einem Allzeithof von über fünftausender Dollar zu Kriegsbeginn geriet es Unterdruck, da steigende Zinsen Halte von Papiergeld zur Umschichtung zwingen.
00:08:49: Doch genau das ist der Punkt.
00:08:50: Physisches Gold, physische Silber und physische Rohstoffe existieren unabhängig von Versprechen, Bilanzen- und Zentralbankentscheidungen.
00:08:59: Was auf Papier steht kann sich in der Krise in Luft auflösen – was man in Händen hält nicht.
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