Kehrt die Gasförderung nach Deutschland zurück? | Nr. 9001

Shownotes

Deutschland diskutiert erneut über heimische Erdgasförderung. Geopolitische Krisen, teures LNG und mögliche Milliardenreserven rücken Fracking und neue Gasfelder wieder ins Zentrum energiepolitischer Debatten.

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00:00:00: Willkommen zum Epochthams Podcast mit dem Thema Energiepolitik im Wandel.

00:00:04: Kehrt die Gasförderung nach Deutschland zurück?

00:00:07: Ein Artikel von Patrick Langendorf vom zwölften März, zwanzig sechsundzwanzig am Mikrofon Alexander Sieber.

00:00:13: Deutschland diskutiert erneut über heimische Erdgasförderungen.

00:00:17: Geopolitische Krisen, teures LNG und mögliche Milliardenreserven rücken Fracking- und neue Gasfelder wie ins Zentrum energiepolitischer Debatten.

00:00:27: Es gibt Themen in der deutschen Energiepolitik, die lange als politisch erledigt galten.

00:00:32: Die Förderung von Erdgas im eigenen Land gehört dazu – doch was einst als Relikt fossiler Energiepolitik galt, kehrt langsam auf die energiepolitische Agenda zurück.

00:00:41: Ende Februar hatte Bundeswirtschaftsministerin Katharina Reicher CDU in einem Interview gegenüber den Zeitungen der Funkemediengruppe angekündigt bei der Energieversorgung zukünftig stärker auf heimisches Gas zu setzen.

00:00:52: Zitat, wir haben eigene Reserven in Deutschland", sagte die Bundeswirtschaftsministerin.

00:00:57: Die Bundesregierung wolle die Gasförderung künftig nicht weiter behindern.

00:01:02: Ein Umdenken in der Energiepolitik.

00:01:04: Die CDU-Politikerin erklärte – es kann hier Gas gefördert werden!

00:01:08: Erst den jüngsten Vergangenheit habe man den Niederlanden ermöglicht ein Gasfeld in der Nordsee zu erkunden.

00:01:14: Das sollte bei alle berechtigten Sorge um Meeresschutz auch von deutscher Seite aus möglich

00:01:18: sein.".

00:01:19: Auf Dauer sei es keine Lösung unpopuläre Maßnahmen an die Nachbarn auszulagern, so reiche.

00:01:24: Entscheidend sei ob sich das Gas unter wirtschaftlich sinnvollen Bedingungen fördern

00:01:28: lasse.".

00:01:29: Zitat darüber müssen wir sprechen gerade wenn man nicht zu viele Rohstoffe hat gerade in so herausfordernden geopolitischen Zeiten.

00:01:36: dabei müsse sehr sensibel zwischen Umweltinteressen und Rohstoffversorgung abgewogen werden.

00:01:41: beides ist berechtigt.

00:01:43: Das Umdenken dürfte viele Gründe haben.

00:01:45: Der Wegfall der russischen Erdgaslieferungen nach dem Einmarsch Russlands in die Ukraine, hat Deutschland stark in Bedrängnis gebracht – im Jahr zur Vorlage nach Angaben der Bundesnetzagentur, der Anteil von Gasimporten aus Russland bei rund fifty-fünfzig Prozent.

00:02:00: Innerhalb kürzester Zeit musste Deutschland damals seine Lieferketten neu organisieren.

00:02:05: Wie die Bundesnetzagentur im Januar veröffentlichte, setzte Deutschland zwanzig-fünfundzwanzig besonders auf Gaslieferungen aus Norwegen.

00:02:11: Vierundvierzig Prozent den Niederlanden, vierundzwzig Prozent und Belgien einundzwzig Prozent.

00:02:16: Weitere zehn Komma.

00:02:17: drei Prozent wurden über die deutschen LNG Terminals in Willhelmshaven Brunsbüttel, Lubminn und Muckran importiert.

00:02:25: LNG als neue Grundlast.

00:02:27: doch reichen die Gründe wieder stärker auf Erdgas aus heimischen Regionen zu setzen weiter als die Erfahrungen aus dem Jahr zwanzichzehnzwanziger.

00:02:34: Die Internationale Energieagentur IEA stellt fest, dass sich die europäischen Gasströme nach dem Wegfall russischer Pipeline-Importe grundlegend neu ausgerichtet haben und flüssig Gas inzwischen eine zentrale Rolle für die Versorgung spielt.

00:02:48: So schreiben die Energianalysten Giorgio Molna und Carlos Fernández Alvarez in einem Beitrag auf dem IEABlog – Zitat – LNG entwickelte sich zu einer neuen Grundlastversorgungsquelle für Europa Und die Analisten weiter.

00:03:20: Mit der wachsenden Bedeutung von LNG rückt Europa stärker in den Wettbewerb mit asiatischen Importländern und reagiert sensibler auf geopolitische Ereignisse oder Störungen globaler Lieferketten.

00:03:32: Abhängigkeit von US-Importen?

00:03:34: Eine Studie der Europäischen Thinktanks Ecologic Institute, Klingendeal Institute & Norwegian Institute of International Affairs vom Januar warnt deshalb vor der Gefahr einer raschwachsenden Abhängheit von US American LNG Importen.

00:03:48: Über neunundfünfzig Prozent der LNG-Importer in die EU, so die Experten, stammten zwanzig fünfundzwanzig aus den USA.

00:03:55: Und weiter – diese Abhängigkeit setzt Europa dem Risiko hoher Kosten, Preisschwankungen und geopolitischem Druck

00:04:01: aus.".

00:04:03: Auf der Website des Ecologic Institute fassen die Analysten ihre Studie unumwunden zusammen.

00:04:09: Der Ersatz russischer Gasimporter durch USLNG ist keine Diversifizierung sondern eine Verschiebung von Abhängigkeiten.

00:04:18: Auch wenn der Anteil von LNG an der deutschen Gasversorgung laut Bundesnetzagentur nur etwa zehn Prozent beträgt, bleibt Deutschland in den globalen Energiemarkt eingebunden.

00:04:27: Aktuelle Krisen verdeutlichen diese Abhängigkeit.

00:04:30: Der Krieg im Nahen Osten hat den Transport durch die Straße von Hormus, eine der wichtigsten Routen für den weltweiten Energiehandel zeitweise beeinträchtigt.

00:04:38: Solche geopolitischen Konflikte können daher selbst Länder mit geringer direkter Abhängigkeiten treffen weil sie das weltweite Angebot verknappen und Energiepreise steigen lassen.

00:04:49: Versorgungssicherheit ist nicht erst durch den aktuellen Krieg im Nahen Osten wieder ein wichtiges Thema geworden.

00:04:54: Gemeinde ist damit die Frage, ob ein Land jederzeit genügend Energie zur Verfügung hat?

00:04:59: In diesem Zusammenhang wird auch eine lange politisch umstrittene Frage wieder diskutiert – sollte Deutschland wieder stärker eigenes Erdgas fördern?

00:05:07: Die geopolitische Realität unter der Oberfläche.

00:05:10: Tatsächlich ist Gasproduktion in Deutschland kein Neuland.

00:05:13: Bereit.

00:05:14: seit den neunzehnten Fünfzigerjahren wird Erdgaas gefördert hauptsächlich in Niedersachsen.

00:05:18: Das deutsche Unternehmen Winterschall DEA und der US-Konzern Exxon Mobil betrieben dort über Jahrzehnte zahlreiche Förderfelder.

00:05:26: Heute spielt die heimische Förderung bei der Erdgasförderung nur noch eine untergeordnete Rolle.

00:05:30: Nach Angaben des Bundesverbandes Erdgass, Erdöl & Geoenergie BVEG wurden im Jahr zwanzig vierundzwanzig in Deutschland rund Vier Komma zwei Milliarden Kubikmeter Erd gas gefördert.

00:05:41: Über achtundneunzig Prozent des deutschen Fördervolumens werden laut Angaben das Verbands in Niedersachsen gefördert.

00:05:47: Mit etwa Vier-Kommer zwei Milliarden Kubikmetern deckt die deutsche Produktion nur rund fünf Prozent, also nur einen kleinen Bruchteil des Verbrauchs ab.

00:05:55: Der überwiegende Teil der in Deutschland benötigten Erdgases muss daher weiterhin importiert werden.

00:06:01: Billionen Erdgasreserven in Deutschland.

00:06:03: Laut dem BVIG verfügte Deutschland zwanzig vierundzwanzig über rund dreiunddreißig Komma ein Milliarden Kubikmeter Erd gas Reserven, die als sicher oder wahrscheinlich förderbar gelten.

00:06:14: Deutlich größer sind allerdings die Ressourcen, die laut dem BVEG – Zitat – momentan noch nicht wirtschaftlich förderbar oder geologisch noch nicht exakt erfasst sind.

00:06:23: Dazu heißt es weiter gehören sowohl konventionelle Erdgasvorkommen als auch die erheblichen Potenziale in neuen und konventionellen Lagerstätten.

00:06:31: Mit hoch entwickelten Fördertechnologien könnte der Zugang zu diesen Ressorzen gelingen!

00:06:36: Laut dem BVIG sind das konkret vierhundertfünfzig Milliarden Kubikmeter technisch erschließbares Erdgas aus Kohle flözen und bis zu zwei Komma drei Billionen Kubikmetern erschließbares Erddgas aus Schiefergesteinen.

00:06:48: Das entspräche zumindest theoretisch mehreren Jahren deutschen Gasverbrauchs.

00:06:53: Fracking als Schlüsseltechnologie Der Zugang zu diesen Vorkommen führt zwangsläufig zu einer Technologie, die in Deutschland seit Jahren politisch hoch umstritten ist.

00:07:03: Hydraulisches Fracking Dabei wird Wasser mit Sand und Zusatzstoffen unter hohem Druck in tiefe Gesteinsschichten gepresst, um feine Risse zu erzeugen und Gas freizusetzen.

00:07:13: In den USA hat diese Technologie eine Energierevolution ausgelöst und dabei geholfen das Land zu dem größten Gasproduzenten- und Gasexporteur der Welt zu machen.

00:07:23: Laut NRDATA einer unabhängigen Forschungsgesellschaft die auf Analysen und Prognosen zur Energie- und Klimafragen spezialisiert ist Haben die USA im Jahr zwanzig-vierundzwanzig eins Komma Null neun zwei Billionen Kubikmeter Erdgas gefördert, auch Deutschland verfügt über Erfahrungen mit Fracking allerdings nur in sogenannten konventionellen Lagerstätten zur Förderung von Erdgass aus besonders dichten Sandsteinformationen.

00:07:45: Nach Angaben des BVEG wurden bereits mehr als dreihundertzwanzige Frackingmaßnahmen durchgeführt – die letzten fanden zwanzich elf statt!

00:07:54: BV-EG Schätzungen zufolge stammt etwa ein Drittel der hierzulande geförderten Erdgasmengen aus Bohrungen, bei denen die Lagerstätte durch Fracking stimuliert wurde um den Gasfluss zu verbessern und die Förderung wirtschaftlicher zu machen.

00:08:07: Fälle von nachweisbaren Umweltschäden durch Fracking in solchen konventionellen Lagerstäten sind laut dem BV EG in Deutschland bislang nicht dokumentiert.

00:08:16: Mögliche Risiken für das Grundwasser.

00:08:19: Das politisch umstrittene Thema betrifft aber vor allem Fracking in Schiefergesteinen.

00:08:23: Im Jahr twenty-sechzehn verabschiedete der Bundestag ein Gesetz, das kommerzielles Fracking in unkonventionellen Lagerstätten weitgehend verbietet.

00:08:31: Nur wissenschaftliche Erprobungsbohrungen sind möglich – Kritiker wie der NABU verweisen auf mögliche Risiken für Grundwasser, Landschaft und Klima!

00:08:39: Das Umweltbundesamt veröffentlichte im Jahr zwanzig zwölf ein Gutachten, in dem sich die Autoren gegen den großflächigen Einsatz von Fracking aussprachen.

00:08:47: Potenzielle Umweltbelastungen sieht Deutschlands zentrale Umweltbehörde etwa durch den Einsatz von Chemikalien und die Entsorgung des anfallenden Abwassers.

00:08:56: Befürworter wie der BVIG argumentieren dagegen, dass moderne Bohr- und Fördertechnologien sowie umfangreiche Sicherheitsmaßnahmen mögliche Risiken des Fracking kontrollierbar machen könnten.

00:09:07: Dabei berufen sie sich auf das Gutachten aus dem Jahr zwanzig einundzwanzig der per Gesetz eingereichten Expertenkommission Fracking.

00:09:15: Ein langer Weg bis zur Förderung.

00:09:17: Auch wenn Deutschland politisch eine Öffnung beschließen würde, bleibt ein entscheidender Faktor nämlich Zeit.

00:09:23: Energieprojekte in Deutschland unterliegen umfangreichen Genehmigungsverfahren, Umweltverträglichkeitsprüfungen, Bürgerbeteiligung und Klageverfahren können Jahre dauern.

00:09:32: Allerdings besitzt Deutschland einen strukturellen Vorteil, und zwar eine gut ausgebaute Gasinfrastruktur.

00:09:38: Das Deutsche Gasnetz besteht laut Bundeswirtschaftsministerium aus dem Fernleitungsgesetz mit einer Länge von rund vierzigtausend Kilometern sowie dem Verteilenetz mit einer länge von knapp fünfhundertsechzig tausend Km.

00:09:49: Dieses ist eng mit den Märkten der Nachbarländer verbunden.

00:09:52: Heimisches Gas könnte daher relativ einfach eingespeist werden.

00:09:56: Im Vergleich zu LNG-Importen entfällt zudem ein aufwendiger Transport per Schiff und die energieintensive Verflüssigung.

00:10:03: Ob Deutschland tatsächlich wieder stärker auf heimische Gasförderung setzt, ist derzeit offen.

00:10:08: Die Bundesregierung verfolgt offiziell weiterhin eine Strategie der Decarbonisierung – Erdgas soll langfristig durch erneuerbare Energien und Wasserstoff ersetzt werden!

00:10:17: Gleichzeitig bleibt Gas auf absehbare Zeit ein wichtiger Bestandteil des Energiesystems, insbesondere für Industrie- und Wärmeversorgung.

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