Die Letzten ihrer Art? #3

Shownotes

Ein Getreidebauer und ein Obstbauer erzählen, wie sich ihr Beruf verändert hat, wie Politik und Weltmarkt ihren Alltag prägen, was ihnen die Arbeit abverlangt – und warum sie trotz allem an die Zukunft ihrer Höfe glauben.

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00:00:00: Herzlich willkommen zu Epoch im Fokus.

00:00:03: Mit dem Thema, mit twenty-fünf Hektar kann keiner mehr leben!

00:00:07: Die letzten ihrer Art?

00:00:10: Ein Artikel von Lin Wuh vom dreißigsten Juli.

00:00:12: zwanzig sechsundzwanzig am Mikrofon Alexander Sieber.

00:00:18: Ein Getreidebauer und ein Obstbauer erzählen wie sich ihr Beruf verändert hat Wie Politik und Weltmarkt ihren Alltag prägen Was ihnen die Arbeit abverlangt Und warum sie trotz allem an die Zukunft ihrer Höfe glauben.

00:00:32: Der Mähdrescher ist vier Meter hoch und mit montiertem Schneidwerk zwölf Meter breit.

00:00:37: Julius Nettelbeck sitzt hoch oben in der Fahrerkabine, und blickt über ein Feld mit Wintergerste.

00:00:44: Die Ernte fällt in diesem Jahr besonders gut aus.

00:00:46: Rechts neben ihm leuchtet ein Bildschirm auf dem er die Arbeit der Maschine überwacht.

00:00:51: Nettlebeck setzt den Mähddrescher in Bewegung.

00:00:54: In der Kabine ist nur ein gleichmäßiges Brummen zu hören.

00:00:57: Draußen arbeitet sich die Maschine mit beträchtlichem Lärm durch die dicht gewachsene Gerste.

00:01:02: Die Halme verschwinden im Schneidwerk.

00:01:04: Im Inneren des Mähdreschers werden die Körner vom Rest der Pflanze getrennt.

00:01:09: Wenig später nähert sich ein Transportwagen und fährt neben dem Mähdedrescher her.

00:01:13: Nettelbeck klappt das lange Abtankrohr aus, ein Strom von Gerstenkörnern ergießt sich in den Anhänger.

00:01:20: Beide Fahrzeuge fahren dabei Meter für Meter über das Feld.

00:01:24: Plötzlich hält Nettlbeck an.

00:01:26: Er setzt den Mähddrescher ein Stück zurück und greift zum Funkgerät.

00:01:29: Im dichten Getreide hat er ein Reh entdeckt.

00:01:32: Er bittet seinen Mitarbeiter das Tier aus dem Feld zu scheuchen.

00:01:36: Doch noch während die beiden miteinander sprechen, springt das Reh auf und läuft davon.

00:01:41: Das komme immer wieder vor erzählt Nettleback.

00:01:43: Manchmal sind es auch Hasen.

00:01:46: Bei der Ernte müsse man auf die Tiere achten.

00:01:49: Drei Menschen für neun Hundert Hektar.

00:01:52: Seit rund fünf Jahren führt's der dreißigjährige den Familienbetrieb gemeinsam mit seinem Vater Joachim.

00:01:58: Unterstützt werden sie von einer weiteren Vollzeitkraft.

00:02:01: Während der Ernte kommen gelegentlich Saisonarbeitskräfte hinzu.

00:02:04: Gemeinsam befürtschaften sie rund neunhundert Hektar Ackerland in Brandenburg.

00:02:08: Neben Gerste bauen sich Rocken, Weizen, Raps und seit kurzem auch Sonnenblumen an.

00:02:13: Die Arbeit ist deshalb bis ins Detail organisiert.

00:02:16: Pro Stunde schaffen wir etwa fünfzigtausend Kilogramm Gerste", sagt Nettleback während er den Mähdrescher wieder in Bewegung setzt.

00:02:23: Innerhalb von fünf oder sechs Tagen müsse die gesamte Gerstige Ernte sein.

00:02:27: Zitat, danach wird das Feld neu bearbeitet und es kommt Winterrocken rein.

00:02:32: Das trockene Wetter spielt ihm in diesen Tagen in die Karten bei der Ernte ebenso wie bei der anschließenden Lagerung.

00:02:38: wenn Nettelbeck von der diesjährigen Gerste spricht klingt er erleichtert und ein wenig stolz.

00:02:44: Mit twenty-fünf Hektar kann keiner mehr leben.

00:02:47: Wo heute Julius Nettlbecks seine Wintergerste erntet prägen Getreidefelder des Landschaftsbild.

00:02:52: Brandenburg zählt zu den wichtigsten Ackerbauerregionen Deutschlands.

00:02:56: Seit XVIIIII bewirtschaftete die Familie Nettelbeck ihren Hof.

00:03:00: Lange Zeit umfasste der Betrieb rund zwanzig Hektar Land.

00:03:04: Im alten Kuhstall hatten wir zehn Kühe und im Pferdestall drei Pferde.

00:03:08: Da war auch ein Schweinestall.

00:03:09: Dann hatten wir noch Hühner, Enten und Gänse erzählt.

00:03:12: Vater Joachim Zurzeit seines Großvaters wurde noch mit Pferden geackert.

00:03:17: Während er spricht zeigte auf den renovierten Hof.

00:03:20: Der frühere Kuhsstall ist noch heute deutlich zu erkennen.

00:03:23: Während der DDR-Zeit arbeitete die Familie zunächst als Halb-Selbstständige.

00:03:27: Ab neunzehn-siebzig waren wir dann alle in der LPG.

00:03:31: Erst nach der Wiedervereinigung bekamen sie ihr Land zurück.

00:03:34: Mein Vater war Rentner und ich hatte dann die Regie, erinnert sich Joachim Nettlbeck.

00:03:38: Wir haben Glück gehabt.

00:03:40: Vom Nachbarn konnten wir Flächen dazu pachten.

00:03:42: Lange Zeit hatten wir dann zweihundert Hektar Und dann hat sich der Betrieb über die Jahre immer weiterentwickelt.

00:03:48: Im Dorf selbst sind inzwischen nur noch wenige Bauern übrig geblieben.

00:03:52: Wir sind fünfzig Häuser, früher waren hier vielleicht fünfundzwanzig Bauern.

00:03:56: die haben alle von der Landwirtschaft gelebt mit fünfund zwanzig bis vierzig Hektar manche auch nur mit sieben.

00:04:01: heute sind wir nur noch drei.

00:04:03: den Grund nennt Joachim Nettelbeck ganz nüchtern naja mit fünf und zwanzich hektar kann keiner mehr leben.

00:04:12: Zur gleichen Zeit wird rund sechshundert Kilometer westlich von Brandenburg ebenfalls geerntet, allerdings keine Gerste sondern vor allem Erdbeeren.

00:04:20: Nordrhein-Westfalen ist nach Nien der Sachsen das zweitgrößte Erdbaugebiet Deutschlands.

00:04:25: Auf dem Benrader Obsthof in Kreefeld arbeiten in diesen Wochen rund sixty fünf Menschen.

00:04:30: Während die saisonalen Arbeitskräfte Erdbären und Himbeern ernten rodete eine weitere Gruppe bereits abgeerntede Erdberfelder Und bereitet sie für nächste Saison vor.

00:04:39: Andere lichten Äpfel aus oder pflücken Johannes Bien.

00:04:42: Mit dem Traktor ist Norbert Böckels gerade vom Erdbeerfeld zurückgekehrt.

00:04:46: Der Obstbaumeister baut auf seinem Hof unter anderem zwanzig Apfelsorten, zehn Birnensorten vier Erdbärsorten und zwei Himbersorten an.

00:04:55: Vor rund fünfzig Jahren hat er den älterlichen Betrieb übernommen.

00:04:58: nun bereitet er die Übergabe an seinen Sohn vor.

00:05:01: Meine Eltern haben etwa neunzehntfünfzig hier in der Nähe angefangen.

00:05:04: Damals gab es nur eine kleine Fläche an einem alten Bauernhaus und einen Obstgarten, wie ihn damals fast jeder Bauernhof hatte mit hohen Bäumen unter denen die Kühe liefen erzählt Böckels und Schmunzelt.

00:05:16: Später übernahm die Familie Flächen von anderen Obstbauern in der Umgebung und baute den Betrieb Schritt für Schritt aus.

00:05:22: Angefangen habe alles mit vierundhalb Hektar.

00:05:25: Heute bewirtschaftet der Hof etwas mehr als dreißig Hektars überwiegend Pachtflächen.

00:05:30: Wenn ein anderer Betrieb aufhört, dann pachtet man die Fläche mit an.

00:05:34: Eigentlich ist das gar nicht groß", sagt Bökels.

00:05:37: aber wir sind in Krefeld ziemlich der einzige Obstbaubetrieb.

00:05:41: Viele Obstbaubetriebe gerieten wirtschaftlich unter Druck wenn sie ihre Produkte ausschließlich über den Handel vermarkteten.

00:05:46: da sind viele schon ganz schlecht dran.

00:05:49: Der Hofladen wurde überlebenswichtig.

00:05:52: Im Handel müsse man sich nämlich mit Konkurrenten messen gegen die ein einzelner Familienbetrieb kaum ankomme.

00:05:58: Bei Himbeeren zum Beispiel belieferten weltweit agierende Unternehmen große Handelsketten mit Ware aus Marokko, Portugal oder Spanien und natürlich zu billigsten Konditionen.

00:06:08: Im Grunde gibt es nur fünf große Abnehmer in Deutschland", sagt Böckles.

00:06:12: Sie bestimmten den Markt und damit auch den Preis.

00:06:16: Besonders deutlich werde das jedes Frühjahr bei den Erdbeeren – obwohl die heimische Ernte beginnen, bleiben günstige spanische Erdbären weiter im Regal.

00:06:24: Dann wird unser Preis gedrückt!

00:06:26: Deshalb hat der Obstbauer seinen Geschäftsmodell verändert.

00:06:29: Früher produzierte der Betrieb große Mengen für den Großhandel, heute werden Äpfel berinnen und ein Großteil der übrigen Früchte gezielt für die eigenen Hofläden- und Verkaufsstände angebaut.

00:06:39: Der Handel dient nur dazu Überschüsse abzusetzen.

00:06:42: Umso froher ist Böckel's dass seine Familie schon früh auf Direktvermarktung gesetzt hat.

00:06:47: Bereits seiner Eltern verkauften Obst aus eigener Ernte auf einem einfachen Tisch vor dem Wohnhaus.

00:06:53: Als er und seine Frau übernahmen, legten sie ein neues Betriebsgebäude mit einem rund hundertzwanzig Quadratmeter großen Hofladen an.

00:07:00: Dort werden neben Obst aus eigenem Anbau auch Produkte regionaler Landwirte und Erzeuger angeboten.

00:07:05: Hinzu kommen unter dem Namen Benrada-Obsthof einen weiteren Hofladenden Krefeld sowie acht saisonale Verkaufsstände in Krefeld und Duisburg.

00:07:13: Für ihn ist dies der entscheidende Grund dafür das der Betrieb in der Preiskrise überlebt hat.

00:07:19: Tiefer können die Preise kaum noch fallen!

00:07:22: Zurück nach Brandenburg.

00:07:23: Bei der Preisfrage schaut sich Joachim Nettelbeck regelmäßig die Notierungen an der Pariser warren Terminbörse mativ an, dort wird der Preis gemacht, an dem es sich auch ihr Getreide orientiert.

00:07:33: Gerade weil die diesjährige Ernte gut ausfällt, stellen sich die Fragen – verkaufen wir jetzt oder lagern wir lieber?

00:07:39: Steigt der Preis noch oder fällt er wieder?

00:07:41: Man kann das nicht wissen!

00:07:43: Das sind immer schwierige Entscheidungen", sagt der Getreidebauer.

00:07:46: Deutschland ist viel zu klein, sagte er.

00:07:48: Selbst wenn hierzulande eine Missernte eingefahren werde, blieben die Preise niedrig, solange weltweit genügend Getreide vorhanden sei.

00:07:55: Derzeit seien die Lager gut gefüllt – die Ernteraussichten weltweit positiv.

00:08:00: Tiefer können die Preisse kaum noch fallen!

00:08:03: Für den Familienbetrieb sind die Erlöse doch gerade wichtig.

00:08:06: Wir haben jetzt die letzten drei Jahre in drei große neue Maschinen investiert.

00:08:10: Die letzten beiden Ernten waren nicht so berauschend.

00:08:13: Da haben wir im Moment ganz schön mit der Liquidität zu kämpfen.

00:08:17: Auflagen, die praxisfern sind.

00:08:20: Wir sind in Deutschland nicht mehr in allen Bereichen Selbstversorger.

00:08:24: Das liegt aber nicht an den aktuellen Krisen, sondern an der Politik", sagt Joachim Nettelbeck.

00:08:28: Die Landwirtschaft habe in Europa und besonders in Deutschland sehr hohe Auflagen die viel Geld kosteten.

00:08:34: Gleichzeitig würden Produkte aus Drittstaaten importiert, denen nicht denselben Standards entsprechen.

00:08:39: Für Unkräuter-und Schädlinge gebe es kaum noch wirksame Mittel, sagt der Landwirt.

00:08:44: Viele Wirkstoffe seien in den vergangenen Jahren verboten

00:08:46: worden.".

00:08:47: Weil nur noch wenige zugelassen sein, müssten immer dieselben eingesetzt werden.

00:08:51: Und irgendwann bilden sich Resistenzen – dann sind auch die Mittel wirkungslos, die uns noch geblieben sind!

00:08:58: Die Nettlebacks bauen inzwischen auch Leguminosen wie Erbsen, Lupinen oder Winterwicken an.

00:09:04: Eine vielfältige Fruchtfolge sei ausdrücklich gewünscht Gleichzeitig werde der Anbau aber immer schwieriger.

00:09:09: Als Beispiel nennt er den Erbsenanbau.

00:09:12: Die Kultur ist einfach eine vielfältige, fruchtvolle Gesinn voll.

00:09:15: doch inzwischen fehlten zugelassene Mittel um die Bestände vor der Ernte gleichmäßig abreifen zu lassen.

00:09:20: Dann muss man genau den richtigen Zeitpunkt erwischen.

00:09:23: Schlage das Wetter jedoch um könne die Ernte auf dem Acker verderben.

00:09:27: Auch viele Vorgaben aus Brüssel sieht Nettlebeck kritisch.

00:09:30: Brandenburg habe sehr unterschiedliche Böden und Witterungsbedingungen.

00:09:33: Trotzdem würden viele Regeln europaweit einheitlich festgelegt.

00:09:37: Nettleback sagt Jeder Landwirt weiß eigentlich selbst am besten, was auf seinem Boden sinnvoll ist.

00:09:43: Mit wachsender Bürokratie kämpft auch Obstbauer Norbert Böckels.

00:09:47: Ich bin da reingewachsen und habe den Beruf immer gern gemacht, sagte er.

00:09:50: Was mich heute unwahrscheinlich stört, ist der Bürokritieaufwand – der ist manchmal so groß dass ich zu meiner eigentlichen Arbeit gar nicht mehr komme!

00:09:59: Sechzig Prozent der Produktionskosten für Erdbeeren sind Lohnkosten.

00:10:03: Noch größere Sorgen bereitet Böckels die saisonale Erntearbeit.

00:10:07: Das größte Problem sind die Lohnfragen, sagte der Obstbauer.

00:10:10: Früher hätten die Erntehelfer im Akkord gearbeitet – wer schnell gewesen sei habe deutlich mehr verdient als jemand, der langsamer gearbeitet hatte.

00:10:17: Dieses Leistungsprinzip sei mit der Einführung des Mindestlohns ausgehebbelt worden.

00:10:21: Seit dem Lohne sich höhere Leistungen weniger, sagt Böckels.

00:10:24: Wir sind mindestens zwanzig Prozent langsame geworden Um konkurrenzfähig zu bleiben, bleibe oft nur langsame Arbeitskräfte wieder nach Hause zu schicken.

00:10:32: Das ist nicht gut – aber anders können wir uns nicht wehren!

00:10:35: Dabei machten die Lohnkosten rund sechzig Prozent der Produktionskosten seiner Erdbeeren aus.

00:10:40: Inzwischen stellt der Obstbauer einen Teil seines Erdbeanbaus vom Freiland auf Tischkultur um.

00:10:45: Die Pflanzen wachsen auf Gestellen statt im Boden.

00:10:47: das erleichterte Ernte und senkt die Arbeitskosten.

00:10:50: Die aktuelle Diskussion über Minijobs betreffe seinen Betrieb kaum.

00:10:53: Bei der Ernte haben wir keine Minijops.

00:10:56: Die sind für uns einfach zu teuer.

00:10:59: Geopolitische Krisen beeinflussen die Planung.

00:11:02: Auch die geopolitischen Krisen spüren beide Landwirte beim Einkauf von Düngemitteln.

00:11:06: Die Kosten steigen überall, sagt Norbert Böckels.

00:11:09: Im Obstbau fallen der Bedarf zwar geringer aus als im Ackerbau dennoch schlügen die höheren Preise zur Buche.

00:11:15: Für Getreidebauer Joachim Nettelbeck reichen die bereits im vergangenen Jahr eingekauften Düngemittel noch für den aktuellen Bedarf.

00:11:22: Früher habe der Betrieb Dünger häufig günstig nachgekauft und eingelagert.

00:11:26: In diesem Jahr sei die Planung für die nächste Ernte jedoch deutlich schwieriger geworden, niemand wisse wie sich die Preise entwickeln würden.

00:11:33: Sie hingen von geopolitischen Krisen ab – von Russland und Belarus bis hin zur Straße von Hormus.

00:11:40: Inzwischen überlegen Vater und Sohn bei weiter steigenden Düngemittelpreisen auf die Düngung schlechter Böden zu verzichten und nur noch sechzig oder siebzig Prozent ihrer Flächen zu düngern.

00:11:49: Bei so vielen Hektar, so wenigen Leuten wie effektiv wir sind.

00:11:53: und trotzdem bleibt kaum etwas übrig", sagt der Getreidebauer.

00:11:57: Das ist schwierig.

00:11:58: Bauern als Klimasünder?

00:12:01: Was Joachim Nettelbeck besonders ärgert, ist das Bild der Landwirtschaft in der Öffentlichkeit.

00:12:06: Wenn man die Medien verfolgt könnte man denken, die Bauern sind die schlimmsten und machen das Klima kaputt, sagte getreide Bauer.

00:12:13: Als Beispiel nennt er die Diskussion über Kühe, die weniger Methan ausstoßen sollen.

00:12:17: und der sagt das ist für mich der größte Schwachsinn.

00:12:20: Viele Vorwürfe beruhten aus seiner Sicht auf mangelndem Wissen.

00:12:24: moderne Landmaschinen belasteten den Boden nicht zwangsläufig stärker.

00:12:28: auch die Kritik an der Nitratbelastung hält Netelbeck für überzeugend.

00:12:32: Die Messstellen seien aus seiner sicht nicht repräsentativ.

00:12:35: Der landwirtschaft wird vieles angelastet sagt ihr.

00:12:38: dabei müsste man die zusammenhänge viel genauer erklären.

00:12:42: Der Stolz auf das Bauernsein Für Joachim Nettelbeck ist das Bauer sein bis heute etwas, auf dass man stolz sein kann.

00:12:49: Ich sage immer nicht ich bin Landwirt sondern ich bin Bauer und darauf bin ich stolz!

00:12:54: Mit dem Bild vom kleinen Bauernhof seiner Kindheit habe der Beruf allerdings wenig zu tun.

00:13:00: Wir sind heute hochtechnisiert und hochindustrialisiert.

00:13:03: Das ist keine Streiche zur Landwirtschaft.

00:13:06: Was sich für ihn nicht verändert hat ist der Blick auf die nächste Generation.

00:13:10: Es wird viel von Nachhaltigkeit gesprochen.

00:13:13: Für mich ist Nachhaltigkeit Beständigkeit, sagt den

00:13:15: Etelbeck.".

00:13:16: Man weiß die nächste Generation will von diesem Ackerland auch noch leben.

00:13:20: Deshalb muss man die Bodenfruchtbarkeit erhalten.

00:13:22: Das ist für mich nachhaltiges Wirtschaften Nicht das was die Politik darunter versteht.

00:13:27: Über Jahre habe der Betrieb den Boden nicht nur erhalten, sondern verbessert.

00:13:31: In den neunzehn-achtziger Jahren seien im Durchschnitt fünfviertig Doppelzentner Getreide pro Hektar geerntet worden – heute seines Sechzig bis Fünfundsechzig obwohl nicht mehr Stickstoff eingesetzt werde.

00:13:42: Wir sind viel effektiver und gleichzeitig bodenschonender geworden Bekräftigter Getreidabauer.

00:13:47: Dafür solle die Politik sie mit ihren Auflagen in Ruhe lassen!

00:13:50: Wir sind die ausgebildeten Fachkräfte und wissen am besten was wir auf unserem Boden machen.

00:13:56: Und er ist sich sicher, dass sein Großvater stolz wäre.

00:13:58: Wenn ihr sehen würde wie seine Enkel und Urenkel die Tradition weiterführen.

00:14:04: Nachhaltigkeit, die wirklich in der Familie weitergeht, ist die Beständigkeit.

00:14:09: Genau diese Familientradition wird in beiden Familienbetrieben fortgeführt.

00:14:13: Denn beide Höfe haben etwas das heute längst keine Selbstverständlichkeit mehr ist – nämlich eine Nachfolge!

00:14:19: Auf dem Obsthof am Niederrhein steht der Generationenwechsel bereits bevor.

00:14:23: Norbert Böckels zieht sich Schritt für Schritt zurück, sein Sohn übernimmt den Betrieb.

00:14:27: Ich habe ihm nie gesagt du musst das machen", erzählt Böckels.

00:14:31: Er ist von selbst darauf gekommen – er hat Spaß daran!

00:14:34: Nach Jahrzehnten auf dem Hof will sich der Senior künftig etwas mehr Freiraum gönnen.

00:14:39: Ganz loslassen werde er wohl trotzdem nicht.

00:14:41: Mein Beruf war immer mein

00:14:42: Hobby.".

00:14:43: Auch bei den Nettelbecks stand früh fest, wie er den Hof einmal weiterführen würde.

00:14:47: Julius habe nie einen anderen Beruf im Kopf gehabt", erzählt sein Vater Joachim.

00:14:52: Wenn ihr aus der Schule kam, ist er mit dem Fahrrad direkt aufs Feld gefahren – es war immer sein Traumbauer zu sein!

00:14:58: Heute arbeiten Vater und Sohn Seite an Seite.

00:15:00: Vieles entscheiden sie gemeinsam, manches macht Julius inzwischen anders als sein Vater.

00:15:05: Und das ist gut so, sagt

00:15:06: Joachimm.".

00:15:07: Neue Sorten, andere Strategien bei Düngung und Pflanzenschutz – vieles probiert die jüngere Generation aus.

00:15:13: Ich mache dem Plan noch auf Papier", sagt Joachim und lacht.

00:15:16: Mein Sohn macht das inzwischen mit im Computer.

00:15:19: Die Arbeit bleibt jedoch hart.

00:15:21: Während der Ernte beginnt der Tag für Julius Nettelbeck morgens um sechs Uhr mit dem Reinigen des Metreschers.

00:15:26: Danach geht es aufs Feld.

00:15:28: Ist das Getreide eingefahren folgt schon die Vorbereitung der nächsten Aussaat.

00:15:32: Erst wenn im Herbst die Felder bestellt sind, kehrt etwas Ruhe

00:15:35: ein.".

00:15:36: Draußen zieht der Metrescher weiter seine Bahnen durch das Gerstenfeld.

00:15:39: Julius Nettleback blickt auf den Monitor in der Kabine, prüft Ertrag und Feuchtigkeit, wendet die Maschine am Feldrand und fährt die nächste Spur.

00:15:47: Die Ernte dieses Jahr ist noch nicht eingefahren – doch arbeitet er längst an dem nächsten.

00:15:53: Das Wichtigste ist dass es uns gelungen ist die Familientradition weiterzuführen sagt Joachim Nettlebeck.

00:15:58: Nachhaltigkeit, die wirklich in der Familie weitergeht, ist die Beständigkeit.

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