Nicht die Sünde, sondern die fehlende Reue #256

Shownotes

Ein Gemälde, das altert, während sein Modell jung bleibt: „Das Bildnis des Dorian Gray“ ist ein Halloween-Klassiker der Weltliteratur. Doch das Bild verändert sich erst, als Dorian für sein Tun keine Reue empfindet. Wilde zeigt, wie Verderben entsteht, wenn der Mensch die Umkehr verweigert.

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00:00:00: Herzlich Willkommen zu Epoch im Fokus mit dem Thema Nicht die Sünde, sondern die fehlende Reue.

00:00:08: Ein Meinungsartikel von Jeffrey A. Tucker vom XXXVIII am Mikrofon Alexander Sieber.

00:00:16: Ein Gemälde das altert während sein Modell jung bleibt.

00:00:19: Das Bildnis des Dorian Gray ist ein Halloween-Klassiker der Weltliteratur.

00:00:25: Doch das Bild verändert sich erst als Dorien für sein Tun keine Reue empfindet.

00:00:30: Wild zeigt, wie Verderben entsteht wenn der Mensch die Umkehr verweigert.

00:00:37: Oscar Wilde Klassiker das Bildnis des Dorian Gray aus dem Jahr eighteen eintneunzig wurde bereits mehrfach verfilmt.

00:00:44: mein dringender Ratschlag sehen sie sich keine dieser Verfilmungen an.

00:00:48: Die Geschichte ist brillant und entfaltet eine bemerkenswerte emotionale Wirkung.

00:00:52: dabei geht es nicht nur um die Haupthandlung sondern auch um Exkursionen in die Geschichte von Edelsteinen Religion Stoffen Stickereien und vielem mehr.

00:01:03: All das sind Elemente der symbolischen Architektur des Romans.

00:01:07: Kein Film kann auch nur annähernd das eigentliche Geschehen einfangen, dass sich vollständig im Inneren auf seelischer und geistiger Ebene abspielt.

00:01:16: In dem Roman geht es nicht um ein Gemälde, das immer groteskere Züge annimmt sondern um eine Seele die zunehmend verderbt.

00:01:24: Um das zu verstehen braucht man Vorstellungskraft.

00:01:27: Kein Filmemacher hat bislang der Versuchung widerstanden, das Gemälde zum Mittelpunkt des Geschehens zu machen.

00:01:34: Dabei ist es gar nicht!

00:01:35: Es ist nicht einmal klar ob das Bild überhaupt mehr als eine Metapher darstellt.

00:01:40: Wie bei vielen Romanen des viktorianischen Zeitalters liegt die eigentliche Geschichte auf einer allegorischen Ebene und der Leser bleibt im Umgewissen darüber was Wirklichkeit und was Einbildung ist – genau so muss es sein.

00:01:53: Deshalb lässt sich diese Geschichte nur in Buchform wirklich erleben und verstehen.

00:01:59: Der Roman von Wald, der in wahrhaft viktorianischer Tradition als tiefgreifende moralische Lehre daherkommt wirft zahlreiche Fragen auf.

00:02:07: wie beeinflusst die Sünde unsere Beziehung zu Gott?

00:02:11: Und zu unserem Waren von Gott geschaffenen selbst?

00:02:14: was macht das Böse so verführerisch und wie wirkt es in unserem Leben?

00:02:19: Letztlich handelt die Geschichte sowohl von der Unausweichlichkeit moralischer Konsequenzen als auch von jenem Thema, dem wir lieber aus dem Weg gehen.

00:02:28: Unsere eigenen Verdammnis – die wir selbst dabei führen!

00:02:32: Die Geschichte beginnt im Atelier des Malers Basile Harvard, der gerade etwas vollendet hat das er als sein Meisterwerk sieht ein Porträtes Jungendorian.

00:02:43: Das Gemälde ist großartig Sowohl weil Basile selbst sehr inspiriert war als auch weil Dorian wunderschön ist, die Verkörperung jugendlicher Vollkommenheit schlechthin.

00:02:53: Basil will es nicht ausstellen und sagt – da steckt zu viel von mir selbst drin!

00:02:58: Darin zeigt sich bereits die erste Andeutung jener durchgehenden Metaphorik in der Basile die Rolle des Schöpfers übernimmt im höchsten Sinne den dieses Wort haben

00:03:07: kann.".

00:03:08: Ebenfalls anwesend ist Lord Henry Wotten, ein Mann von blendendem Verstand der den Hedonismus auf verführerische Weise als Lebenskunst zu verkaufen weiß.

00:03:18: Seine Worte besitzen eine solche Überzeugungskraft das man sofort versteht warum Dorian also er schließlich den Raum betritt seinem Bann erliegt.

00:03:27: Lord Henry formuliert so geschmeidig dass man kaum erkennen kann was an seinen Aussagen falsch ist.

00:03:34: Er schmeichelt dem Leser Mit Witz und Weltgewandheit widersetzt sich Lord Henry den bürgerlichen Moralempfinden.

00:03:41: Er bringt jene Gedanken auf den Punkt, mit denen wir bisher nur flüchtig gespielt haben – und ermutigt uns noch einen Schritt weiterzugehen.

00:03:50: Er ist der Verführer!

00:03:52: Der einzige Weg eine Versuchung zu bestehen ist, sich ihr hinzugeben, sagt

00:03:56: er."

00:03:57: Wieder stehen sie ihr und ihre Seele erkrankt vor Sehnsucht nach der Erfüllung, die sie sich selber verweigert hat.

00:04:03: Erkrankt vorm Verlangen nach dem was ihre ungeheuerlichen Gesetze ungeheurelich und ungesetzmäßig gemacht

00:04:10: haben.".

00:04:11: Lord Henry führt Dorian vor Augen welch ein Geschenk seine Jugend ist und welch einen Schrecken des Alters bedeutet.

00:04:19: Jugend ist das einzige dessen Besitz einen Wert hat.

00:04:22: Schönheit so erklärt er sei allerwunderwunder.

00:04:27: Nur oberflächliche Menschen würden nicht nach dem Äußeren urteilen.

00:04:31: Das wahre Geheimnis der Welt sei das Sichtbare, nichts das Unsichtbare!

00:04:36: Ja Herr Grey die Götter haben es gut mit ihnen gemeint aber was die Götter schenken rauben sie bald wieder.

00:04:42: Sie haben nur ein paar Jahre wo sie wahrhaftig vollkommen restlos leben können Indem ihre Jugend verrauscht ist.

00:04:50: nimmt sie die Schönheit mit und plötzlich werde Dorian feststellen dass keine Triumphe mehr auf ihn warteten.

00:04:57: Er müsse sich dann mit jenen armseligen Erfolgen begnügen, die durch die Erinnerung an die Vergangenheit bitterer würden als Niederlagen.

00:05:05: Jeder Monat der dahin geht bringt sie näher einem schrecklichen Ziele.

00:05:09: Die Zeit ist eifersüchtig auf Sie und kämpft gegen ihre Lilien und Rosen.

00:05:14: Sie werden fahl- und holwangig – und Ihre Augen werden sich trüben!

00:05:18: Sie werden unsäglich

00:05:19: leiden.".

00:05:21: Als Reaktion auf Lord Henrys Rede fasst Dorian einen Entschluss, der sein Verhängnis besiegeln wird.

00:05:27: Ich werde alt werden und hässlich und widerlich Aber dieses Bild wird immer jung bleiben.

00:05:32: Es wird nie über den heutigen Juni-Tag hinaus altern.

00:05:36: Wenn es nur umgekehrt sein könnte wenn ich ewig jung bliebe Und dafür das Bild altern könnte Dafür!

00:05:43: Dafür gebe ich alles Ja nichts in aller Welt wäre mir dafür zu viel.

00:05:48: Ich gäbe meine Seele dafür Und genauso kommt es.

00:05:53: Dory nimmt das Gemälde an sich und schließt es weg, sobald es beginnt zu verändern.

00:05:58: Dabei spiegelt es nicht so sehr sein körperliches Altern wieder als vielmehr seine Sünden – das ist entscheidend!

00:06:05: Die Geschichte beschäftigt sich weniger mit der Sterblichkeit des Körpers und der Unvermeidlichkeit des Alterns als mit der Unsterblichkeit der Seele.

00:06:14: Dabei hat Dorian keineswegs einfach einen faustischen Pakt geschlossen.

00:06:18: So einfach ist der Roman nicht.

00:06:20: Das Bild verändert sich nach Dorians erster schwerwiegender Sünde.

00:06:24: Er verführt eine Schauspielerin, deren Herz ergrauersam und ohne Zögern bricht.

00:06:28: Doch... Und das ist entscheidend!

00:06:30: Er empfindet keine Reue für das was er ihr angetan hat.

00:06:34: An diesem Punkt verändert sich das Bild Ein Hauch von Grausamkeit um seinen Mund.

00:06:40: Es ist weniger die Sünde als das Fehlen von Reue, dass ein Verderben besiegelt.

00:06:45: Dorian selbst verändert sich äußerlich nicht – nur das Gemälde verändert sich und darin erkennt ihr was ihm bevorsteht.

00:06:52: Er sparkt das Geheimnis seines Lebens in sich und erzählte seine Geschichte.

00:06:57: Es hatte ihn die Liebe zur eigenen Schönheit gelehrt.

00:07:00: Sollte es ihn lehren, seiner eigene Seele zu verabscheuen?

00:07:04: Könnte er es je wieder anblicken!

00:07:07: Für einen kurzen Moment besinnt er sich und beschließt, diesen Weg nicht weiterzugehen.

00:07:11: Er will die Sünde zurückweisen und sein Leben ändern.

00:07:14: Doch bereits im nächsten Tag – noch bevor er seine guten Vorsätze in die Tat umgesetzt hat – erhält ihr die niederschmetternde Nachricht!

00:07:22: Das junge Mädchen hat sich das Leben genommen.

00:07:24: Erneut steht Dorian vor der Wahl, Boose zu tun oder sich dem Bösen hinzugeben... Unter dem Einfluss Lord Henrys, der keineswegs offensichtlich dämonisch wirkt sondern sich lediglich auf sehr geschickte Weise bemüht ihn zu trösten entscheidet er sich gegen die Reue.

00:07:41: Ein sonderbares Verhängnis schwebe über guten Vorsätzen dass man sie nämlich immer zu spät fasse.

00:07:48: Im Laufe der Zeit altert Dorian nicht.

00:07:50: Er behält sein Gesicht und seine Figur Jahrzehnt für Jahrzehn.

00:07:54: Seine Sünden nehmen unterdessen kein Ende Und werden immer schwerwiegender.

00:07:58: Er verfällt einer Obsession nach der anderen, steht ihm im Zusammenhang mit den Sinnen.

00:08:03: Edelsteine, Paffa, Opium.

00:08:06: Seine Ausschweifungen hinterlassen zahlreiche Opfer – das größte davon ist er selbst.

00:08:11: Vieles davon wird glücklicherweise der Vorstellungskraft des Lesers überlassen, dass Gemälde das verkörpert was sich in jener rätselhaften Region befindet die wir Seele nennen nimmt immer abscheulichere Gestaltern.

00:08:23: Eines Tages nach langer Abwesenheit stattet Basil ihm einen Besuch ab.

00:08:27: Schließlich gibt Dorian der Versuchung nach, ihm das Gemälde zu zeigen.

00:08:31: Basil ist entsetzt über was er sieht – über den Zustand in dem sein eigenes Werk geraten ist.

00:08:37: Er fleht Dorian an zu beten.

00:08:39: Führe uns nicht in Versuchungen!

00:08:41: Vergib uns unsere Sünden!

00:08:43: Nimm unsere Missetat von

00:08:44: uns!".

00:08:45: Er erinnert Dorian daran, es ist nie zu spät, Dorian.

00:08:49: Wir wollen niederknien und versuchen ob wir uns nicht an ein Gebet erinnern können.

00:08:53: steht nicht irgendwo ein Vers?

00:08:55: Und während deine Sünden wie Schalach ich will sie weiß machen, wie Schnee?

00:09:01: Doch Dorian bleibt gleichgültig.

00:09:03: Plötzlich wird er von Hass auf Basil überwältigt.

00:09:05: Er greift noch eine Messer und stößt es ihm tief in die Schlagader hinter dem Ohr.

00:09:10: Was hat er getan?

00:09:12: Er hat den Schöpfer getötet der ihn aufgesucht und zur Reue aufgerufen hat.

00:09:17: Mit diesem Mord wird Dorians Verderbnis vollends entfesselt!

00:09:21: Und was ist mit Lord Henry, dem eigentlichen Drahtzieher dieses Bösen?

00:09:26: Er verschwindet weitgehend aus dem Bild und bleibt, wenn er wieder auftaucht vollkommen unberührt von den Geschehnissen.

00:09:33: Er zieht von einer Gesellschaft zunächst, verbreitet seine Weisheiten und fasziniert die Gäste mit seinem brillanten Geist.

00:09:39: Mit leicht anstößigen Bemerkungen bezaubert er alle ohne jemals an seiner eigenen Philosophie zugrunde zu gehen.

00:09:46: Dorian hingegen lebt nach diesen Grundsätzen Und bezahlt den Preis dafür.

00:09:51: Bisher habe ich lediglich den zentralen Auftakt des Buches behandelt.

00:09:55: Der Rest ist ebenso fesselnd, wenn nicht sogar noch fesselnder, zugleich aber zunehmend schmerzhaft.

00:10:01: Er gleicht im Tagebuch eines Abstiegs in die Tiefen der Hölle.

00:10:05: Das Ende ist selbstverständlich zu tiefst verstörend.

00:10:08: Dorian tut endlich das was man sich die ganze Zeit von ihm gewünscht hat.

00:10:12: er zerstört das Gemälde Doch zu diesem Zeitpunkt ist er selbst bereits geistig und seelisch tot Eine Tatsache die sich nun erstmals auch im körperlichen Erscheinungsbild seiner Leiche widerspiegelt.

00:10:24: Es ist keine angenehme Geschichte oder viel mehr.

00:10:27: Sie isst auf eine ganz bestimmte Weise viel zu angenehm, denn der Leser ertappt sich dabei Dorian gleichzeitig zu verabscheuen und doch nicht so wollen dass seine Sünden ans Licht kommen.

00:10:37: Lord Henry hingegen behält seine betörende Anziehungskraft noch lange nachdem man das Buch zu Ende gelesen hat.

00:10:44: mit anderen Worten es ist eine Geschichte über gut und böse.

00:10:47: Doch das Gute erscheint nie lohnend genug und das Böse nie abstoßend genug, als dass man sich eindeutig für eine Seite entscheiden könnte.

00:10:56: In dieser Hinsicht ist das Buch trotz einer fantastischen Grundidee ein treffendes Abbild des Lebens selbst!

00:11:02: Der Autor erreicht sein Ziel.

00:11:04: Wilds Roman offenbart einen äußerst differenziertes Verständnis für das Drama von Sünde und Erlösung.

00:11:11: Sein dekadenter Stil ist weit hin bekannt.

00:11:13: Weniger bekannt ist jedoch seine lebenslange Faszination für die christliche Glaubenslehre und sein Verständnis dafür, wie sie sich im katholischen Glauben ausdrückt.

00:11:22: Diesem Glaubn – so berichtet die Überlieferung – wurde er bereits als Kind heimlich anvertraut.

00:11:28: Man gewinnt den Eindruck das Wald, die Wahrheit dieses Glaubenes erkannte und ihn gerade deshalb umso mehr fürchtete!

00:11:35: Ihm wurde das Geschenk des Glaubens zuteil, doch es fehlte ihm der Mut diesen Weg konsequent zu Ende zu gehen.

00:11:41: In gewisser Weise war er in seinem eigenen Leben Basile.

00:11:45: Er verkündete die Lehre Lord Henrys, fürchtete aber am Ende dasselbe Schicksal Vidorian zu erleiden.

00:11:51: Das tat er jedoch nicht!

00:11:53: Wildes letzte Worte waren das Reue Gebet.

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