„Der Bauer hat kaum noch Spielraum“: So steht es um die Grundversorgung in Deutschland #19
Shownotes
Deutschland kann sich bei vielen Grundnahrungsmitteln weitgehend selbst versorgen – doch die Bilanz fällt nicht überall positiv aus. Wo die heimische Produktion Lücken aufweist und welche Faktoren die Zukunft der Landwirtschaft bestimmen. Zwei Bauern gewähren einen Einblick.
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00:00:00: Herzlich willkommen zu Epoch im Fokus mit dem Thema, der Bauer hat kaum noch Spielraum.
00:00:05: So steht es um die Grundversorgung in Deutschland.
00:00:09: Ein Meinungsartikel von Hubert Kiermayer vom fünften August.
00:00:12: zwanzig sechsundzwanzig am Mikrofon Alexander Sieber.
00:00:16: Deutschland kann sich bei vielen Grundnahrungsmitteln weitgehend selbst versorgen doch die Bilanz fällt nicht überall positiv aus wo die heimische Produktion Lücken aufweist und welche Faktoren die Zukunft der Landwirtschaft bestimmen.
00:00:29: Zwei Bauern gewähren einen Einblick.
00:00:33: Kann die deutsche Landwirtschaft die Grundversorgung der Bevölkerung noch gewährleisten?
00:00:37: Ein Blick auf den Selbstversorgungsgrad SVG, also den Anteil des heimischen Verbrauchs, der durch heimische Produktion gedeckt wird zeigt ein zweigeteiltes Bild.
00:00:47: Der Selbstversorgungsgrad von Getreide lag zwanzig vierundzwanzig bei knapp hundert Prozent.
00:00:52: Bei Zucker, Kartoffeln, Milch und vor allem Käse produziert Deutschland deutlich mehr als es verbraucht.
00:00:58: Auch bei Fleisch besteht eine Überversorgung – v.a.
00:01:01: bei Schweinefleisch.
00:01:02: Dennoch spielen Importer auch hier eine wichtige Rolle da bestimmte Teilstücke wie Filets oder Schinken besonders stark nachgefragt werden.
00:01:10: Bei frischem Gemüse lag im Wirtschaftsjahr zwanzig-vierundzwanzig, der Selbstversorgungsgrad deutschlandweit bei rund neun und dreißig Prozent.
00:01:18: Bei Obst nur bei achtzehn Prozent.
00:01:20: Auch bei Eiern klafft eine spürbare Lücke!
00:01:24: Gerade bei den täglich frisch benötigten Grundnahrungsmitteln ist Deutschland also in erheblichem Maß auf Importe angewiesen, ein Umstand der im Krisenfall etwa bei Lieferkettenstörungen oder geopolitischen Spannungen schnell zum Risiko werden kann.
00:01:37: Hinzu kommt das steigende Erzeugerpreise sowie strengere gesetzliche Vorgaben vor allem bei Stallhaltung und Aufzucht in den kommenden Jahren zu einem Rückgang der heimischen Produktion führen und den Bedarf an Importen erhöhen könnten.
00:01:50: Welche Folgen solche Abhängigkeiten haben können, zeigt das Beispiel der EU-Importbeschränkungen für tierische Lebensmittel aus Brasilien.
00:01:58: Ein Expertenausschuss der EU mit Gilstaaten beschloss Mitte Mai twenty-sechsundzwanzig, dass Brasilien ab dem dritten September zwanzig sechsundzwzig keine Lebensmittel tierischen Ursprungs mehr in die EU exportieren darf.
00:02:10: betroffen sind Rind und Gefügelfleisch Eier und Honig.
00:02:14: Hintergrund waren vor allem Zweifel an der EU, an den Kontroll- und Nachweissystemen Brasiliens bei Tierarzneimittelrückständen – insbesondere bei bestimmten antimikrobilen Stoffen.
00:02:24: Bereits zuvor hatten EU-Kontrolleure einzelne Auffälligkeiten festgestellt darunter dem Nachweis des Wachstumshormons Östra diol in Lieferungen von brasilianischem Rindfleisch.
00:02:35: Doch wie sieht es bei der Erzeugung selbst aus?
00:02:38: Günter Kapsa Neben Erwerbslandwirt aus Schächen, Bayern und Laurentius Berger – vollerwerbslandwirt in einem Biomilchviehbetrieb in Rieden, Bayern gewähren einen Einblick.
00:02:49: Wie ist die Situation der Bauern in Deutschland?
00:02:52: Berger.
00:02:53: Schwierig!
00:02:54: Die EU gibt Richtlinien vor, welche die Regierung in unserer Gesetzgebung hart verschärft.
00:02:59: Zum Beispiel hat die EU eine Richtlinie zur Haltung von Nutztieren erlassen, die unsere Regierung besonders streng und detailliert in deutsches Recht umgesetzt hat.
00:03:08: Man könnte fast von einem Goldplatinenstandard sprechen, den Deutschland hier bei der Umsetzung von EU-Richtlinien setzt.
00:03:14: Viele andere EU Länder haben dieselbe Richtlinie dagegen gar nicht oder nur schwach umgesetzt was zu einer deutlichen Wettbewerbsverzerrung führt und im Tierwohl europaweit nicht wirklich zugute kommt.
00:03:25: Hinzu kommen unsere planwirtschaftlichen Probleme.
00:03:28: In Deutschland gibt indirekter Handel die Preise für die Erzeugung vor, konkret die vier großen Lebensmittelhändler Edeka, Schwarzgruppe Lidl, Rewe und Aldi.
00:03:37: Sie diktieren mehr oder weniger die Preisen über die Molkereien an die Bauern weitergegeben werden – den Rest bestimmt der Staat bzw.
00:03:44: die Agrarpolitik der EU GAP!
00:03:48: Der Bauer selbst hat kaum noch Spielraum seine Arbeit frei zu gestalten, wenn er überleben will.
00:03:52: Das Kartellamt lässt dieses Oligopol zu während der Staat über seine Subventionspolitik indirekt mitbestimmt was auf den Bauernhöfen zugeschehen hat und umgesetzt werden soll.
00:04:03: Wie sieht es bei den Betriebsmitteln aus?
00:04:05: Wie teuer sind sie geworden?
00:04:07: Kapser Unsere Betriebsmittelpreise sind in den vergangenen sechs Jahren um circa thirty-fünf Prozent gestiegen, überwiegend getrieben von der Energiekrise nach Ausbruch des Ukrainekrieges.
00:04:19: Die Düngemittelerzeugung benötigt einen hohen Erdgasbedarf bei der Stickstoffherstellung – Erdgass welches wir vorher günstig von Russland bekommen haben.
00:04:27: Hier sind die Preise um ca.
00:04:28: das doppelte gestiegen was wir vor zwanzigzwanzig gehabt haben.
00:04:32: Zeitgleich werden aber die Grundnahrungsmittel immer günstiger, welche die Lebensmittelindustrie beim Bauern kauft.
00:04:38: Deswegen wird die Schere zwischen Einkommen und Ausgaben immer höher in der Landwirtschaft.
00:04:42: Dies ist neben der hohen Bürokratie von EU- und Regierung auch der Grund, warum immer mehr Landwirte aufhören.
00:04:48: Damals haben in der Landschaft Familie und Externe gearbeitet – dies ist nicht mehr möglich!
00:04:53: Eine Landwirtschaft kann nur im Familienbetrieb noch existieren, ansonsten ist es nicht mehr.
00:04:58: Man soll auch nicht außer Acht lassen, dass in der Landwirtschaft fast jeder achte Arbeitsplatz davon abhängig ist und die Landmaschinenhersteller schon Probleme haben weil weniger Maschinen gekauft werden als üblich.
00:05:10: Welche gesetzlichen Vorgaben belasten Landwirte derzeit besonders?
00:05:14: Berger!
00:05:15: Je mehr die IT ermöglicht desto höher und unsinniger werden die Gesetze – oft müssten Doppelmeldungen gemacht werden, weil es keine hohe Vernetzung in den Ämtern gibt.
00:05:24: Auch hat man permanent das Gefühl unter Generalverdacht zu stehen, anstatt Vertrauen zu den Bauern zu haben.
00:05:30: Zum Beispiel jeder Zugau von Nutztieren, jede Geburt muss tagesgenau in die staatliche Datenbank eingeplägt werden.
00:05:37: Jeder Einsatz von Antibiotika muss gemeldet und in die Antibiatiker-Datenbank der Tierärzte eingetragen werden.
00:05:43: Danach erfolgt nach einer gewissen Zeit eine Auswertung.
00:05:46: Liegt der Antibiotika-Einsatz über dem Durchschnitt, muss der Bauer erklären warum bei ihm der Antibiotika Einsatz höher ist anstatt Vertrauen in den Tierarzt und den Bauern zu haben schon das Richtige für das Tierwohl zu entscheiden.
00:05:59: Wie wirkt sich das europäische Merkursurabkommen auf die deutsche Landwirtschaft aus?
00:06:05: Wir haben die strengsten Tierschutzgesetze und die niedrigsten Grenzwerte im Herbizid, Pestizid- und Wasserbereich.
00:06:11: Unsere Verbraucher legen zu Recht Wert auf Tierwohl und unbelastete Lebensmittel – all das gibt es in Südamerika so nicht!
00:06:18: Dort sind die Grenzwerten wichtigen Bereichen um das vielfache höher.
00:06:22: Würde man unsere Lebensmittel bzw Fleisch genauso wie in Südamerika herstellen dürfte es nicht in Verkehr gebracht werden?
00:06:30: Was kann man verbessern und was wird bereits getan?
00:06:33: Berger viel weniger Bürokratie und Überwachung, aber eine gezielte Regulierung durch den Staat um den heimischen Markt zu schützen vor Dumpingpreisen durch das Ausland.
00:06:43: Eine Auflösung des Oligopols durch das Kartellamt.
00:06:47: Ferner sollte unsere Politik – den Friedensuchen mit Russland die Sanktionen beenden und wieder Energie aus Russland beziehen.
00:06:53: Unsere Industrie, unsere Bevölkerung, unsere Landwirtschaft benötigt wieder günstige und bezahlbare Energie, um wieder zu gedeihen und zu
00:07:00: wachsen.".
00:07:01: Ich wünsche mir auch von der Politik vor allem, dass sie uns zuhört.
00:07:04: Dass Sie mit uns in einen ernsthaften Dialog tritt!
00:07:07: Dass sie versucht die Anforderungen Bedürfnisse und Wünsche sowohl der Lebensmittlerzeuger als auch der Verbraucher zu verstehen und im besten Sinne für alle umsetzt.
00:07:17: Kapsa Es sollten im Ausland dieselben Grenzwerte gelten wie bei uns zum Wohle der Verbrocher aber auch damit für die heimische Landwirtschaft keine Wettbewerbsverzerrung entsteht.
00:07:28: Ferner sollten Subventionen nach Staffelung und Größe erfolgen.
00:07:32: Je mehr Milch zum Beispiel ein Bauer liefert, desto weniger Subventionern sollte er erfahren um hier einen Ungleichgewicht zwischen den kleinen und Großbauern auszugleichen.
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